Die Kandidatinnen

by Alphatier, © 2015*

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f(15)-solo, teen, slow, scFi, wpm, noend, long, horror, celeb, humil, alien, high school, mast

September 2014. Als die fünfzehnjährige Jungschauspielerin Jelena aufgrund einiger Probleme mit ihrem Umfeld von ihren Eltern auf ein privates Eliteinternat geschickt wird, soll alles anders werden. Doch das Mädchen merkt schnell, dass an der Schule seltsame Dinge vor sich gehen. Irritiert versucht sie, der Sache auf den Grund zu gehen. - Basiert stark auf Virtual Scott's . - Hinweis: Die Geschichte entwickelt sich langsam, ist noch nicht fertig und soll im Verlauf etwas düsterer und ekliger als das Original werden.


"Nowhere in space will we rest our eyes upon the familiar shapes of trees and plants, or any of the animals that share our world. Whatsoever life we meet will be as strange and alien as the nightmare creatures of the ocean abyss, or of the insect empire whose horrors are normally hidden from us by their microscopic scale."

- Arthur C. Clarke (Britischer Schriftsteller)


Dunkle Zeichen

Die kleine Gruppe aus Zivilisten in Anzügen und Uniformierten stand schweigend vor der riesigen Computerwand, auf der hunderte von roten, grünen und blauen Dioden wild und in den seltsamsten Mustern blinkten.
Aber die Männer sahen nicht auf die kleinen Lämpchen. Sie blickten wie gebannt auf einen dicht mit Zahlen und scheinbar sinnlosen Buchstabenkolonnen bedruckten Papierstreifen, der mit leisem Surren kontinuierlich aus einem schmalen Schlitz an der Vorderseite des Computers herauskam.
Doch was für Laien, wenn sie den Papierstreifen je zu Gesicht bekommen hätten, wie unscheinbarer Zahlensalat, kryptische Börsenkürzel oder Fehldrucke ausgesehen hätte, war für die Männer das je nach Standpunkt faszinierendste oder erschreckendste, was sie in ihren teils jahrzehntelangen Karrieren als Wissenschaftler oder Militärs erlebt hatten.
Keiner konnte sich erinnern seit dem vom SETI-Projekt im August 1977 aufgefangenen Wow-Signal etwas auch nur annähernd vergleichbares gesehen zu haben und das, was hier seit zwei Stunden aus dem Computer kam war tausendfach stärker.
Mit unfassbaren Zwei Punkt Acht Gigawatt Sendeleistung hatte der Computer die Signalstärke berechnet und auch wenn sie nicht zu entziffern vermochten, was die Zeichen bedeuteten, war die Struktur der Daten doch so systematisch und komplex, dass jedem in dem abgedunkelten Raum klar war, dass sie es nicht mit zufälligen Signalen zu tun hatten.
Sondern einem Werk hochintelligenten Ursprungs.
Um Sprache.
Einer Sprache, die sie nie verstehen würden, sich aber wenn es möglich gewesen wäre, etwa so angehört hätte ...




"... aber ist es auch möglich ? Es hieß stets, es wäre nie zu bewerkstelligen."
"Wir haben die einheimische Bevölkerung gründlich beobachtet, ihre Genetik untersucht und technologische Fortschritte gemacht, aber ob es auch praktikabel ist, wer weiß ..."
"Dann gibt es eine Lösung?!"
"Nicht für uns, der Prozess ist bereits zu weit fortgeschritten, aber für die, die nach uns kommen besteht vielleicht Hoffnung. Vielleicht."
"Vielleicht?"
"Wir haben es erst einmal versucht und wir kennen alle das Resultat."
"Sie meinen die Testreihe ihres Vorgängers."
"Ja, wir orientierten uns damals an Strategien einiger uns ähnlicher, jedoch leider viel zu kleiner Lebensformen auf ihrem Planeten. Der hohe Stresslevel der darauf nicht vorbereiteten Testsubjekte bei gleichzeitig geringer Schmerztoleranz produzierte untragbare Biowerte, die unsere Jungen schädigten."
"Ich dachte, diese Biowerte wären wünschenswert."
"Wünschenswert für die Jungen, nicht für die Wirte. Wir konnten selbst mit größten Mühen kaum einen länger erhalten, geschweige denn wiederverwenden."
"Aber grundsätzlich war es möglich?"
"Es ist eine Frage der Balance. Unsere Jungen sind jetzt anpassungsfähiger. Aber ständige kontrollierte Exposition während der prenatalen Entwicklung ist weiterhin absolut nötig, damit sie sich während ihrer Entwicklungstadien an die Umweltgifte dieser Welt anpassen können."
"Aber das ist doch alles zu bewerkstelligen."
"Sie verstehen nicht ganz. Ständige kontrollierte Exposition bedeutet bei der Anzahl, die für unser Überleben erforderlich ist, dass die Aufzucht nicht auf herkömmliche Weise erfolgen kann."
"Wie dann?"
"Nun, unter Berücksichtung unserer begrenzten Ressourcen, unserer Position und ihres schwergeschädigten Ökosystems müssen wir Surrogatenmütter aus der dominanten Spezies dieses Planeten nehmen."
"Also doch. Aber wo ist das Problem? Es gibt Milliarden von ihnen und die vergleichsweise wenigen, die wir benötigen, wird man kaum vermissen."
"Lassen sie mich ausreden. Denn da gibt es einige Probleme. Zuerst sind geeignete Exemplare aufgrund des Sozialverhaltens der dominanten Spezies über einfache kleine Testreihen hinaus nicht so einfach zu beschaffen. Weiterhin ist auch der neue optimierte Prozess sowohl psychisch als auch physisch extrem belastend für den Wirt, da dieser sich an das Junge anpassen muss und umgekehrt. Nur junge, gesunde Wirte kommen dafür in Frage, denn wenn der Surrogat abstirbt, sterben auch unsere Jungen.
Damit einhergehend werden umfangreiche Anstrengungen nötig sein, um die Implantation überhaupt durchzuführen. Anatomie und Metabolismus zu uns sind grundverschieden und solange wir nicht grundlegende operative Veränderungen vornehmen, wird es zur Abstoßung kommen. Dazu kommt, dass die Weibchen der einheimischen Lebensformen zwar in einem Prozess, denn wir operativ unterstützen würden, eine körpereigene Nährlösung produzieren, die für die Aufzucht unserer Jungen notwendigen Stoffe jedoch leider regelmäßig filtriert und ausgeschieden werden, so dass sie konstant neuzugeführt werden müssen."
"Dann tun sie es."
"Wir arbeiten daran, doch viel problematischer ist, dass unsere technischen Ressourcen vor Ort nicht ausreichen, um eine ausreichende sich selbst erhaltende Population aufzubauen, was bedeutet, dass die Implantation weitgehend natürlich erfolgen muss."
"Natürlich?! Wie soll das gehen?"
"Ich sagte weitgehend natürlich. Gewisse Beeinflussungstechniken und Vormaßnahmen werden natürlich erforderlich sein. Es ist jedoch grundsätzlich möglich, wenn man vom Hauptproblem unserer kaum vorhandenen physischen Kompatibilität absieht."
"Ich hörte davon."
"Ja, sie ertrugen unseren Anblick nicht und es war ein wichtiger Grund für die hohen Streßlevel der Wirte bei der ersten Testreihe. Aber drittens. Wir müssen berücksichtigen, dass sie ein komplexes und irrationales Sexual- und Paarbindungsverhalten haben, was wir jedoch zu unserem Vorteil nutzen können."
"Komplex?"
"Ja, wie in der Tat das gesamte humanoide Sozialverhalten. Denn sie scheinen, und das ist Problem Nummer Vier, ihre Jungen und speziell die jungen Weibchen äußerst aggressiv zu überwachen und zu verteidigen. Es ist vermutlich ratsam, davon auszugehen, dass sie sich hier ähnlich wie wir verhalten. In dieser Hinsicht können wir es uns nicht erlauben, die lokale Bevölkerung mit unserer unzweifelhaft als feindlich wahrgenommenen Präsenz zu verstören und so unsere Jungen und damit unsere gesamte Spezies der Auslöschung preiszugeben."
"Gibt es Anzeichen, dass unsere Anwesenheit entdeckt wurde?"
"Nein."
"Gut. Dass heißt, dass wir jetzt einen sicheren abgelegenen Ort finden müssen, dessen geographische Lage und demographische Zusammensetzung uns erlauben, die Implantationen gründlich vorzubereiten und wo die Surrogatenmütter unsere Jungen austragen können."
"Das ist korrekt."
"Und das Problem ist, dass wir nicht in der Lage sind, eine ausreichende Anzahl junger humanoider Weibchen zu gewinnen?"
"Im Moment, aber wir haben bereits einen Plan dazu entwickelt."
"Und wie soll der aussehen?"
"Im Kern werden wir sie bezahlen, uns ihre Jungen zu bringen."
"Was? Kein rationales Wesen würde das tun!"
"Wir würden ihnen natürlich nicht sagen, was wir dort vorhaben und zusätzliche einige erwachsene Humanoide brauchen, die in unserem Sinne mit der Bevölkerung interagieren."
"Das erhöht aber das Risiko."
"Nur unwesentlich. Die meisten würden es, ohne es zu ahnen tun, nur einige wenige würden wir tatsächlich zu Drohnen machen. In unseren Plänen ist direkter physischer Kontakt kaum nötig, beziehungsweise dient nur der Versicherung."
"Was genau wollen sie also tun?"
"Wir haben überlegt, eine Schule zu eröffnen."
"Eine ... Schule?"
"Die Humanoiden senden ihren Nachwuchs beinah täglich für einen erheblichen Zeitraum dorthin. Wir dachten dabei speziell an ein sogenanntes privates Sportgymnasium mit einem angeschlossenen Internat. Eine Institution, wo der Nachwuchs untergebracht wird, dessen Eltern zu wenig Zeit für die Aufzucht haben. Die natürliche Hierarchie solcher Einrichtungen erlaubt uns, eine erhebliche Kontrolle über die Wirte auszuüben, ohne dabei Verdacht zu erregen."
"Aber kriegen wir dann auch genau die gewünschten Exemplare?"
"In Erdzeit gerechnet beginnt der humanoide Nachwuchs die Phase der Schulzeit mit fünf bis sechs Jahren, wobei dieser jedes Jahr in die nächsthöhere sogenannte Klasse aufrückt. Mit sechs Jahren sind humanoide Weibchen für unsere Zwecke jedoch noch zu jung, aber wir werden die weiblichen Exemplare so die ganze Zeit auf ihre Rolle als Wirte vorbereiten können. Die Empfängnis ist ab 12 bis 13 Erdenjahren möglich, wobei es ab hier in der Regel noch bis zu sechs Jahre dauert, bis die postmenarchischen Weibchen ihre maximale Empfänglichkeit erreicht haben."
"Also mit 18 Erdenjahren?"
"Ja, aber wir werden die Empfänglichkeitswahrscheinlichkeit medikamentös oder operativ erhöhen, wenn es angebracht ist. Das praktische dabei ist, dass in unserer humanoiden Verwaltungseinheit bei Schulen eine organisatorische Trennung erfolgt, wenn der als Schüler bezeichnete Nachwuchs mit 15 oder 16 Erdenjahren in die zehnte Klasse kommt. Bei einem Gymnasium wäre das die gymnasiale Oberstufe. Es wäre daher unauffällig möglich, die zur Serienproduktion vorgesehenen zuchtbereiten Weibchen von den jüngeren zu trennen."
"Und das soll nicht auffallen?"
"Es würde natürlich bei weitem nicht alle Weibchen betreffen."
"Schön, aber was machen sie mit den Männchen?"
"Wir brauchen einige, um das soziale Gefüge der Schule aufrecht zu halten, humanoide Weibchen scheinen Wert darauf zu legen, doch wir werden nicht mehr als ein Drittel Männchen zulassen."
"Das geht?"
"Es wäre eine Sache des Selektionsprozesses bei der Aufnahme. Genau so wie wir auf Intelligenz, Fitness, Gesundheitszustand und solche Dinge achten, könnten wir auch das Geschlechterverhältnis kontrollieren. Wir könnten durch ein Geld genanntes erdtypisches Anreizsystem speziell weibliche Schüler fördern."
"Nun gut, aber wie kriegen wir dieses ... Geld?"
"Zum einen durch Manipulation ihrer mit dem Austausch dieses Geldes befassten Computernetzwerke, was mit unserer Technologie leicht zu bewerkstelligen ist. Zum anderen durch Erlöse aus der Vermarktung der Wirte während des mehrjährigen Konditionierungsprozesses."
"Wie dieses?"
"Die Wirte unter unserer Obhut wären bei uns auf dem Höhepunkt ihrer sexuellen Reife sowie Leistungs- und Belastungsfähigkeit. Ein erheblicher, wenn auch aus sozialen Gründen unterschlagener Teil der humanoiden Ökonomie besteht aus Diensten, die sich mit dem Reproduktionsverhalten der Wirte beschäftigen. Je jünger die Weibchen und um so ausgefallener ihre Behandlung, desto einträglicher."
"Wie sollten wir auf diesem ... Markt bestehen können?"
"Seltsamerweise haben die Humanoiden äußerst restriktive Handhabungen, was die Sexualität ihrer jungen Weibchen angeht."
"Bizarr."
"In der Tat, da ein großer Markt für Material besteht, welches extrem aggressives, dominantes und destruktives Verhalten gegenüber ihren jungen Weibchen zeigt."
"Sie meinen nicht einvernehmliche Vereinigungen, wie bei der ersten Testreihe."
"Ja. Aber wir würden uns damit natürlich verraten."
"Sicher, aber wäre eine Vermarktung unsererseits dann nicht grundsätzlich viel zu auffällig."
"Wäre es, denn in bestimmten nach humanoiden Standards unethischen Segmenten wären wir praktisch sofort der dominierende Anbieter. Wir haben daher umfangreiche Methoden entwickelt, um dieses Problem zu umgehen."
"Na schön, aber es scheint uns immer noch seltsam, dass man in solch einer repressiven Gesellschaft einfach so eine Schule kaufen kann oder seine Nachkommen Fremden überlässt."
"Es klingt erstaunlich, aber tatsächlich wollen viele humanoide Eltern so etwas für ihre Kinder. Und besonders Privatschulen sind im Augenblick sehr populär. Offensichtlich scheinen sie eine extrem kompetitive Gesellschaftsordnung zu haben, bei der die Ausbeutung ihrer Artgenossen oberstes Prinzip ist. Die Humanoiden glauben, dass je besser die Schule ist um so besser ihr Kind in diesem seltsamen Wettstreit ist."
"Das klingt extrem primitiv und irrational, aber das soll uns nur Recht sein. Doch wie genau wollen sie vorgehen?"
"Der Plan sieht vor, eine mit diesem Geld äußerst gut ausgestattete Stiftung zu eröffnen, die sich in einem geographisch und demographisch geeigneten Gebiet mit Personen von Einfluß und Eltern, die sich eine solche Schule wünschen zusammenschließt. Diese von uns kontrollierte Stiftung würde dann Lehrpersonal anwerben und einen Lehrplan entwerfen, der unseren Erfordernissen entspricht."
"Und diese Lehrer ..."
"... werden soweit nötig konditioniert werden."
"Nun gut. Ich werde ihre Vorschläge den Ältesten vorlegen. Sagen sie mir nur noch, wie lange sie brauchen werden, um diesen Plan umzusetzen."




Sechs Jahre später ...

Die mittelgroße Frau hinter dem Rednerpult war frustriert. Seit einer halben Stunde hatte sie die Argumente des Lehrerkollegiums vorgetragen, aber sie schien zu ihrem Publikum und den drei Personen hinter dem großen Tisch zu ihrer rechten einfach nicht durchzudringen.
"Aber es ist einfach nicht fair, fast die ganze bisherige Schulbelegschaft zu ersetzen.", versuchte sie es erneut und wischte sich den Schweiß von der Stirn, "D-die ... die Probleme, die wir hatten waren auf unkooperative Eltern selber und einige unglückliche Fehler der Verwaltung zurückzuführen."
Es klang beinah verzweifelt und sie blickte nach rechts, wo der hagere etwa fünfzigjährige Mann, der in der Mitte hinter dem Tisch saß nur den kahlen Kopf schüttelte.
Er griff nach einem Mikrofon vor ihm und begann zu sprechen.
"Frau Willert.", sagte er ungerührt, "Wir haben das doch alles besprochen. Und der Stadtrat hat in Person von Frau Wien das Angebot der Asilida-Stiftung vollumfänglich geprüft und als das bessere befunden."
Er schaute kurz zu einer sehr attraktiven Endvierzigerin in einem kobaltblauen Businesskostüm neben ihm, die ihm kurz zustimmend zu nickte und dann wieder ihren wachem Blick ins Publikum richtete.
"Aber was wird denn dann aus den Schülern?", fragte derweil die Frau am Rednerpult mit Bitterkeit in der Stimme, "Diese Asilida-Stifung ist doch völlig neu auf dem Gebiet und sie haben bereits erkennen lassen, dass sie die meisten Mitglieder der alten Belegschaft nicht übernehmen werden. Und ich wiederhole noch einmal, dass die aufgetauchten Probleme nicht durch uns als Schule verursacht wurden und auch die finanzielle Problematik mit etwas Unterstützung durch den Stadtrat beherrschbar ist."
Aber der Mann schüttelte wieder nur den Kopf.
"Eine weitere Förderung durch die Gemeinde oder das Land läßt die derzeitige Situation nicht zu und die Schüler werden soweit gewünscht in der Schule verbleiben oder mit Unterstützung des Landes in andere Schulen transferiert werden."
Andrea Willert konnte es nicht fassen und sie spürte, wie sie mit aufkommenden Tränen zu kämpfen hatte.
"Aber ..."
"Es tut mir Leid.", unterbrach der Mann sie jedoch etwas genervt, "Aber in Anbetracht der Tatsache, dass bei dieser finalen Anhörung keine neuen Fakten vorgebracht wurden, entschließt sich der Stadtrat der Gemeinde Kreventhal einstimmig dazu, die Leitung und den Betrieb des Friedrich Ludwig Jahn Gymnasiums ab dem ersten August 2011 für fünf Jahre der Asilida-Stiftung zu übertragen und den Status einer staatlich anerkannten Ersatzschule mit pädagogischer Prägung anzuerkennen. Es gelten dabei die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen sowie die vorher veröffentlichten und in gegenseitigem Einvernehmen vereinbarten Regelungen. Die Sitzung ist damit geschlossen. Guten Abend."




1. Ein neuer Anfang

Jelena blickte mürrisch auf das große Schild neben der großen Doppelholztür.
"Friedrich Ludwig Jahn Sportgymnasium - Asilida-Stiftung" stand dort und darunter "Mens sana in corpore sano".
Jelena nahm an, dass es lateinisch war und blickte zu ihrer Mutter, die es sich nicht hatte nehmen lassen, ihre fünfzehnjährige Tochter, noch zu begleiten.
"Mach' nicht so ein Gesicht.", sagte sie mit einem leicht vorwurfsvollen Lächeln und wischte dem Mädchen eine ihrer braunen stets so widerspenstigen Strähnen aus dem Gesicht, "Nur ein einziges Mal."
Jelena wischte die Hand ihrer Mutter heftig beiseite, dass ihr fast der über eine Schulter geschwungene Rucksack von der Schulter gefloge wäre.
"Mom, bitte.", sagte sie genervt und hoffte, dass diese endlich gehen würde.
Doch diese lachte nur auf und schüttelte den Kopf.
"So leicht wirst du mich nicht los.", sagte sie und öffnete die Tür, hinter der sich ein weites Foyer auftat mit einem modernen schreibtischartigen Tresen mit einem ultradünnen Notebook darauf auftat, der so überhaupt nicht zu dem restlichen mittelalterlichen Ambiente des mehrere hundert Jahre alten Gebäudes, einem ehemaligen Schloss, passte.
Genau so wenig, wie der hohe hässliche Sicherheitszaun, der das riesige ansonsten so malerisch im Wald gelegene Areal umgab, dachte Jelena und schaute nach rechts, wo jetzt eine wunderhübsche Brünette anfang Zwanzig in diesem typischen Outfit, dass hier alle zu tragen schienen, herbeigeeilt kam.
Guten Tag meine Damen. Willkommen im Friedrich Ludwig Jahn Sportgymnasium der Asilida-Stiftung. Ich bin Marie Meinzenbach.", sagte die junge Frau derweil mit einem feinen Lächeln und blieb einen Meter vor ihnen stehen, "Haben wir hier eine neue Schülerin?"
Jelena schüttelte kaum merklich den Kopf, doch ihre Mutter nickte mit einem missbilligenden Seitenblick zu ihr und packte sie sachte am Handgelenk, um sie zum Tresen zu ziehen.
"Hallo Marie.", sagte sie dann lächelnd, "Mein Name ist Martina Herrmann und das ist meine Tochter Jelena. Sie ist für die zehnte Klasse angemeldet."
Marie nickte leise den Namen wiederholend und ging zu ihrem Schreibtischtresen, wo sie einen daraufliegenden Aktenordner aufschlug.
"Der perfekte Zeitpunkt eigentlich.", sagte sie dabei, mit einem strahlenden Seitenblick aus ihren blauen Augen, "Letzte Woche hatten wir viel zu tun, um das Schuljahr vorzubereiten."
Jelena fand das überhaupt nicht perfekt, aber ihre Eltern hatte gesagt, dass sie den Urlaub nicht anders bekommen hatten und dass es nicht schlimm wäre, nicht gleich am ersten Tag des Schuljahrs zu erscheinen.
Dabei hatten sie diese Schule für Jelena unter anderem deswegen ausgesucht, weil die Leitung hier sehr viel Wert auf Regeln legte. Und zumindest was die Kleidung anging, schien das zu stimmen, denn Maries dunkelblaue Schuluniform saß tadellos, obwohl Jelena nach genauerer Betrachtung merkte, dass die Schülerinnen, die sie bis jetzt gesehen hatte, eine leicht veränderte Version getragen hatten.
Marie schien derweil gefunden zu haben, was sie suchte.
"Ahh.", sagte sie fröhlich und schaute zu Jelena, "Jelena Coralie Herrmann, geboren am 8.12.1999. Richtig?"
Jelenas Mutter nickte.
"Genau. Das ist sie."
Ein leichter Schatten fiel über Maries schönes Gesicht.
"Wir sind ein G9 Gymnasium, dass in einem Jahr weniger zum Abitur führt. Von ihrem Alter her könnte sie also bereits in die elfte Klasse bei uns.", sagte sie etwas irritiert und schaute zu den beiden, "Und normalerweise nehmen wir auch nur alle zwei Jahre, als erst nächstes, wieder auf."
"Nun, ja.", sagte Jelenas Mutter, der die Sache sichtlich ein wenig unangenehm war, "ich hatte das mit der Leitung besprochen und, nun, meine Tochter ist etwas im Rückstand. Sie ist ... war Schauspielerin im Fernsehen, Schloss Einstein, vielleicht kennen sie die Serie ja und na ja, das schränkte den Unterricht etwas ein ... dazu kam ein kleines Problem mit, nun ja, einem aufdringlichen ... Fan."
Sie begann etwas zu stocken, doch Marie lächelte nur.
"Kein Problem. Wir haben Erfahrung mit solchen Fällen. Ihre Tochter wird hier völlig ungestört sein."
Jelena verzog nur leicht den Mund und hörte weg, während sich Marie jetzt mit ihrer Mutter über Formalitäten unterhielt. Sie wollte das ganze Prozedere hier möglichst schnell beenden und endlich ihr Zimmer sehen und sich ausruhen.
Sie hatte trotz allem nicht hierhergewollt, aber ihre Eltern waren nach ihren immer schlechter gewordenden Noten schließlich der Meinung gewesen, dass eine Besserung in ihrem bisherigen Umfeld nicht möglich war.
Und da die beiden aufgrund ihrer beruflichen Stellungen als Abteilungsleiter eines Versicherungskonzerns und Firmenanwältin einer Unternehmensberatungsfirma ohnehin dauernd unterwegs waren, hatten sie entschieden, Jelena von ihrer alten Schule zu nehmen und hier, weit genug weg, einen Neustart zu versuchen.
Denn Jelenas Noten waren nicht nur wegen der Schauspielerei so plötzlich gefallen. Das Mädchen schüttelte unwillkürlich traurig den Kopf und schob den Gedanken beiseite. Denn auch wenn ihr hier auf Anhieb einiges nicht gefiel, war das Jahn Gymnasium jetzt für die nächsten vier Jahre ihr neues Zuhause. Mit neuen und hoffentlich besseren Freunden.
Denn ihr altes Gymnasium in Jena war keine schlechte Schule gewesen, das Problem waren die Idioten, die dort eingeschrieben waren. Und Jelena fragte sich, ob die Leute hier wirklich besser waren.
Sie bezweifelte es, aber zumindest sahen sie in ihren Schulfuniformen wesentlich disziplinierter und harmloser aus. Davon abgesehen klang das Konzept der Schule beeindruckend und Jelena hörte wieder genauer hin, als Marie ihrer Mutter genau davon zu erzählen schien.
"... der Fokus liegt also anders als bei öffentlichen Schulen klar auf akademischer Disziplin, physischer Fitness und persönlicher Verantwortung.", erklärte Marie lächelnd, "Es wird dabei für sie etwas ungewohnt sein, aber wie sie überall sehen können, haben wir einen strikten Dresscode. Wir werden Jelena gleich die Maße dazu abnehmen."
Das Mädchen glaubte, sich verhört zu haben, doch ihre Mutter nickte nur, während Marie bereits ungerührt fortfuhr.
"Wie sie ja wissen, haben wir weiter eine strenge Anwesenheitspflicht, Verhaltens- und Besuchsregeln. Nichts soll die Konzentration unserer Schüler stören. Daher sind auf dem Schulgelände auch keine Handys gestattet und müssen bei Betreten des Schulgeländes abgegeben werden. Und auch andere elektronische Geräte wie MP3-Player oder Laptops nur nach Genehmigung erlaubt."
Jelena schrak auf und auch ihre Mutter blickte irritiert.
"Davon stand nichts in dem Prospekt. Wie soll sie denn mit uns telefonieren und ein Computer gehört doch zur heutigen Arbeitswelt."
Marie lächelte.
"Oh, natürlich. Aber es steht alles in dem Vertrag, den sie unterschrieben haben. Und keine Angst, die Asilida-Stiftung stellt natürlich von Hause aus erstklassige Möglichkeiten zur internen und externen Kommunikation und modernste Arbeitsgeräte zur Verfügung. Aber seit wir diese Schule vor drei Jahren übernommen haben, sind einige neue teils sogar revolutionäre Lernkonzepte eingeführt worden. Dazu gehörte auch die Kontrolle über die heutzutage immer leistungsfähigere Technik zu behalten. Ein Umstand, mit dem unsere Vorgänger große Probleme hatten."
Jelenas Mutter nickte verständnisvoll.
"Wem sagen sie das.", entfuhr es ihr beruhigt.
Jelena war dagegen empört. Sie dachte nicht daran, ihr Handy abzugeben oder ihren MP3-Player, doch Marie schien im Moment nicht daran zu denken, sondern begann weiter von dem Schulprogramm zu erzählen.
"... darum gibt es bei uns auch nur 100%ig gesundes speziell von Spitzenköchen zubereitetes und auf den jeweiligen Schüler abgestimmtes Essen.", hörte Jelena, Marie sagen und verzog den Mund, während ihre Mutter interessiert dreinschaute.
"Fantastisch.", sagte sie, "Ich wünschte, mein Arbeitgeber würde so etwas einmal tun."
Marie lachte.
"Unsere Schüler brauchen meist etwas, um sich daran zu gewöhnen, dass es keine Softdrinks oder Fastfood in den Automaten gibt."
Jelena lächelte säuerlich. Noch eine Regel, die sie brechen würde, dachte sie und blickte zu ihrer Mutter, die nur kritisch zurückschaute und zu ahnen schien, was ihre Tochter dachte.
"Das wird nur gut für dich sein.", sagte sie dann und nickte, bevor sie wieder zu Marie blickte, "Auch der Sport."
"Ja.", sagte diese, "Neben technisch-analytischen Fähigkeiten liegt unser Fokus natürlich klar auf sportlichen Fähigkeiten, wobei jeder Schüler einen Schwerpunkt wählen kann. Mit Ausnahme von Schwimmen, was verpflichtend für alle ist."
Jelena wusste es schon. Sie hatte eine Menge recherchiert, als ihre Eltern ihr angesichts ihrer Krise vor einem halben Jahr von der neuen Schule erzählt hatten.
Marie machte plötzlich große Augen, als habe sie etwas vergessen und griff in ihre Schublade, um einen weißen Zettel hervorzuholen.
"Richtig.", sagte sie lachend, "Ich muss dich ja noch fragen, welches Wahlfach du haben willst. Das meiste ist zwar festgelegt, aber eine freie Aktivität gibt es für jeden. Sag mir was dir gefällt. Danach machen wir das Foto für die ID-Karte und nehmen deine Maße ab."
Sie reichte Jelena das Formular herüber, auf dem das Mädchen nach einigem Suchen an einem Eintrag hängenblieb.
"Schülerzeitung und Newsletter.", sagte sie, "Geht das?"
Es brachte einige unangenehme Erinnerungen hervor, doch die Fünfzehnjährige hatte sich vorgenommen, sich hier nicht von der Vergangenheit plagen zu lassen.
"Natürlich.", sagte Marie und lächelte, wie schon die ganze Zeit.
Es wirkte langsam irgendwie falsch und Jelena hatte das Gefühl dass sie die gleiche Reaktion bekommen hätte, wenn sie Kannibalismus oder Serienmord angegeben hätte. Marie tippte derweil einige Tasten ihres Notebooks, als man von rechts plötzlich leises Schluchzen hörte.
Die drei blickten nach rechts, wo man jetzt ein hübsches schlankes weinendes Mädchen, vielleicht ein Jahr jünger als Jelena mit zwei Frauen an seiner Seite aus einem breiten Gang mit Bogendecke entlangkommen sah.
" ... bitte Mom.", schluchzte sie und schaute, sich nervös durch die langen rotblonden Locken fahrend, flehentlich zu einer großen brünetten Frau mit einem Rucksack in der Hand, "Kann ich nicht wieder nach Hause? Bitte!"
Diese schüttelte nur den Kopf.
"Das haben wir doch schon besprochen Kaja.", sagte sie und blickte kurz und wie Jelena fand, relativ kühl zu ihnen, bevor sie sich wieder zu ihrer Tochter drehte, "Du wirst jetzt mit der Schulpsychologin mitgehen."
Die andere Frau, eine attraktive Blonde mit schwarzer Brille und einem Pferdenschwanz nickte freundlich.
"Ja, komm jetzt bitte Kaja.", sagte sie, "Wir gehen erst einmal in mein Zimmer und besprechen in Ruhe alles. In Ordnung?"
"Bitte. Ich fühl' mich nicht gut.", sagte das Mädchen noch einmal leise zu seiner Mutter, doch diese schaute jetzt nur beinah gleichgültig über die Szenerie.
Sie schüttelte erneut den Kopf und beschränkte sich darauf, das orangene geflochtene Halstuch und das eng taillierte blaue Schuljacket ihrer Tochter noch einmal geradezuzupfen. Jelena fand sie ziemlich herzlos, doch irgendwie fand sie auch das Verhaltens des Mädchens etwas peinlich. Mit dreizehn, vierzehn war man schließlich kein Baby mehr.
"Geh jetzt bitte mit Doktor Rogall mit Kaja.", sagte die Mutter des Mädchens dann noch einmal nachdrücklich, doch das Mädchen trat jetzt einen Schritt von den beiden zurück und schüttelte den Kopf.
"Ich geh da nicht mehr rein.", sagte sie mit tränenerstickter Stimme, während ihre Mutter nach ihrem Arm griff, damit ihre Tochter nicht noch weiter zurückweichen konnte. Sie bugsierte das jetzt nur schwach widerstrebende Mädchen mit Hilfe der Psychologin einige Meter weiter in eine Nische und begann erneut, diesmal jedoch unverständlich auf sie einzureden.
Auch die Psychologin sagte etwas und die Mutter von Kaja zuckte plötzlich mit den Achseln und reichte der anderen Frau den Rucksack. Dann drehte sie sich um und ging, ohne sich noch einmal zu ihrer Tochter umzublicken zum Ausgang und verschwand durch die Tür.
Jelena schaute nur verständnislos zu Marie, die jedoch völlig gleichgültig lächelte, als wenn die Szene völlig normal wäre.
"Das ist Kaja. Kaja Eckert. Aus deiner künftigen Klasse.", sagte sie dann scheinbar mitfühlend zu Jelenas Mutter blickend, "Sie gehört zu denen, die hier anfingen als die Asilida-Stiftung übernahm und ist eigentlich hochbegabt, aber sie hat leider einige grundsätzliche Probleme und Anpassungsschwierigkeiten, die nur schwer beherrschbar sind."
Jelenas Mutter nickte.
"Offensichtlich.", sagte sie irritiert, "Vielleicht sollte ihre Mutter sie noch in ihr Quartier begleiten."
"Tut mir Leid.", sagte Marie bedauernd, "Das ist leider nicht gestattet. Die Schüler haben ihren Bereich, der nur für sie, die Lehrer und das Lernen reserviert ist. Es ist alles psychologisch durchdacht. Und Kaja ist bei Shalin, also Doktor Rogall in guten Händen. Sehen sie, sie hat sich schon wieder etwas beruhigt."
Sie schaute zu der blonden Frau und dem Mädchen, dass jetzt tatsächlich etwas ruhiger war, aber immer noch feuchtglänzende Spuren von Tränen auf seinen niedlichen geröteten Hamsterbäckchen hatte. Mit eingesunken schmalen Schultern stand die Kleine kläglich da und ließ sich jetzt den Rucksack in die Hand geben, während die Frau gleichzeitig ihre Hand ergriff.
Sie nickte noch einmal und verschwand dann mit ihr durch eine massive Holztür in der Wand des gegenüberliegenden Ganges.
"Nun, ich hoffe, dass sie das nicht abgeschreckt hat.", lachte Marie und stand mit einem Blick zu Jelenas Mutter auf, "Aber wenn sie nichts dagegen haben, würde ich jetzt die Körpermaße abnehmen. Also wenn sie ..."
Jelenas Mutter nickte.
"Ja, natürlich.", sagte sie schnell, "Wir wollten sowieso keinen großen Abschied machen und mein Mann wartet mit dem Auto vor dem Haupttor."
"Sehr gut.", sagte Marie fröhlich, "Ich bereite dann den Raum vor. Und sie könnten sich inzwischen in Ruhe verabschieden."
Jelena schaute zu ihrer Mutter, die zustimmend nickte und wenige Augenblicke später war Marie mit einigen Unterlagen durch eine Tür hinter ihrem Schreibtischtresen verschwunden.
"Puhh.", entfuhr es Jelenas Mutter, "Es scheint hier ganz schön stressig werden zu können. Ich möchte hier nicht den ganzen Tag sitzen. Vor allem bei diesem Geruch."
Sie lachte, während ihre Tochter sie nur irritiert anschaute.
"Geruch?"
"Riechst du das nicht?", fragte ihre Mutter amüsiert und schaute erstaunt zu ihrer Tochter, die es jetzt jedoch schlagartig auch bemerkte.
Es war nicht sehr intensiv, aber sie wunderte sich trotzdem, warum sie es nicht gleich gemerkt hatte. Es war irgendwie süßlich aromatisch und gleichzeitig undefinierbar, aber nicht unangenehm.
"Komisch.", entfuhr es Jelena, "Ist mir gar nicht aufgefallen."
Sie fragte sich, ob es vielleicht Maries Parfüm war, aber es kam nicht in einer Wolke, sondern schien gleichmäßig überall zu sein.
Ihre Mutter zuckte nur mit den Achseln.
"Wie auch immer.", sagte sie, "Wenn du ein Problem hast, meld' dich, dann holen wir dich, ok?"
Jelena grinste schwach, war aber insgeheim froh, dass ihre Mutter nicht so gedankenlos wie die Mutter von Kaja Eckert war.
"Mom, ich bin kein Baby.", sagte sie trotzdem mit betonter Gelassenheit.
Sie war immerhin kein Kind mehr und tausende Fernsehzuschauer hatten sie schauspielern sehen. Sie war definitiv jemand, der auf sich selbst aufpassen konnte.
"Ich weiß Kleines.", sagte ihre Mutter dann auch nach passenden Worten suchend, "Ich ... ich wollte dir einfach nur alles Gute hier wünschen."
Und nach einigen weiteren Worten verabschiedete sich ihre Mutter endgültig und verließ das Foyer. Jelena blieb zurück und schaute ihr durch das kleine Fenster hinterher. Sie sah ihr noch eine Weile hinterher, wie sie über den weißgestreuten Kiesweg davonlief, drehte sich aber um, als sie hinter sich ein Geräusch zu hören glaubte.
Es war jedoch niemand zu sehen und sie blickte sich in dem Foyer um, dass jetzt mit den beiden nach den Seiten abgehenden Bogengängen still und verwaist da lag. Es war wie viele im Mittelalter gebaute Gebäude mit seinen kleinen Fenstern und dicken Mauern trotz der hellen mittäglichen Augustssonne draußen recht dunkel, so dass es nur einer merkwürdig geformten, oranges Licht abgebenden Lampe an der Decke zu verdanken war, dass es nicht noch dunkler war.
Es fühlte sich fast ein wenig umheimlich an und Jelena erinnerte sich an das blonde Mädchen, dass ihr noch einen letzten und irgendwie total resignierten Blick zugeworfen hatte.
Sie schien echt verzweifelt gewesen zu sein, dachte Jelena mitleidig und erinnerte sich gleichzeitig auch an die stressige Geschichte, die ihr widerfahren war.
Und daher war sie beinah froh, als Marie plötzlich aus der Tür hinter ihrem Tresen heraustrat und ihr gestikulierte, herüberzukommen.
"Komm her Jelena, wir nehmen jetzt die Messungen vor und machen auch gleich das Foto für deine Chipkarte."




Der kleine Raum, in den Marie Jelena hineingebeten hatte wirkte wesentlich moderner, als das mittelalterliche Gebäude von außen vermuten ließ.
Ein riesiger Flachbildschirm hing an der Wand und die Empfangsfrau stand lächelnd neben an einem wandmontierten Tisch mit einem Keyboard und einem grauen Kasten darauf.
Daneben war eine nur von einem Vorhang abgetrennte Nische, die wie eine Umkleinekabine aussah und daneben noch eine Tür mit einem gelben Warndreieck mit einem Biogefahrschild darauf.
"Pass auf.", sagte Marie fröhlich, "Du musst jetzt deine Sachen ausziehen. Unterwäsche kannst du anbehalten, wenn sie nicht zu locker ist, obwohl das meist nur ein Problem mit den Jungs ist. Bei dir spielt es nur eine Rolle, wenn du einen gepolsterten beziehungsweise Push-up BH hast. Den müsstest du ablegen. Dann gehst du durch die hintere Tür in den Vermessungsraum. Keine Angst, wegen dem Schild. Es ist dort nur aus rechtlichen Gründen wegen des Lasers."
Jelena war etwas irritiert, nickte aber.
"Laser?"
"Ja, du wirst merken, dass hier alles trotz des alten Gebäudes alles hochtechnisiert ist und vollautomatisiert läuft. Jedenfalls gehst du dann in den Vermessungsraum und trittst auf die roten Fußfelder und wartest, bis der Computer dir sagt, dass du wieder rausgehen kannst. Ach so, deine Haare. Mach sie in einen kurzen Pferdeschwanz oder nimm eine der Kappen, die in der Umkleidekabine liegen, ok?"
Jelena nickte erneut.
"Und wie geht das da drin?", fragte sie etwas nervös, so dass Marie auflachte.
"In der Vermessungskammer ist ein Laserscanner, der dich komplett abtastet. Für alles weitere musst du die Techniker fragen, aber du kannst mich jederzeit hören über die Gegensprechanlage. Einfach reden, ok?"
Die Fünfzehnjährige nickte schwach und verschwand hinter dem Vorhang der Umkleidekabine, die nur eine kleine Bank und einen Wandspiegel enthielt. Zum Glück war sie nicht klaustrophobisch dachte sie, denn es war ziemlich eng, doch dann zuckte sie mit den Schultern und begann sich auszuziehen.
Sie schlüpfte aus ihren Ballerinas, legte ihr Halstuch und die Bluse ab und dann den kurzen Rock, bis sie nur noch in ihrer weißen Unterwäsche da stand.
Der Slip schien ihr eng genug, um den Anforderungen zu entsprechen. Sie war sich nicht sicher bei dem BH. Es war ein Push-up Modell, obwohl es nach Meinung ihrer Mutter eigentlich unnötig war.
"Aber sie machen doch keine Fotos, oder?", fragte sie durch den Vorhang, wo man Marie lachen hörte.
"Nein, du kannst ganz unbesorgt sein. Ich seh' hier nur Zahlen und Nummern.", sagte sie, während Jelena sich mit einem auf der Bank bereitliegenden Haargummi, die schulterlangen braunen leicht gewellten Haare zusammenband.
Sie blickte erneut zu dem Spiegel. Nicht schlecht, dachte sie zufrieden. Ein mittelgroßes hübsches Mädchen mit einer guten durch leichtes Training geformten Figur schaute sie an.
Sie grinste und fuhr über ihre Kurven, von denen sie wusste, dass sie den Jungs gefielen. Ebenso wie ihre hübschen etwa eine handvoll großen Brüste mit den für junge pubertäre Mädchen typischen kleinen Spitzen, die durch den BH drückten
Sie räusperte sich und entfernte den BH, so dass ihre schönen, leicht aufwärts geschwungene Kugeln heraussprangen. Dann atmete sie durch und schritt durch die hintere Tür, die auch wieder dieses gelbe Biogefahrschild aufgeklebt hatte.
Sie war tief beeindruckt von dem was sie dann sah und sie fühlte sich an einen Bericht über Körperscanner erinnert, die man in einigen noblen Bekleidungsgeschäften probeweise installiert hatte.
Aber das hier sah mehrere Generationen fortschrittlicher aus. Ein kreisrunder futuristischer Raum, etwa 2,50 im Durchmesser, mit glatten Plastikkacheln ausgekleidet und einem dicken Glasboden, unter dem ein Haufen Elektronik und Platinen zu sehen waren. Auf der Glasfläche zwei aufgeklebte rote Gummifußabdrücke, etwa einen Meter auseinander.
Sie würde ganz schön aufgespreizt dastehen, dachte sie unsicher und zuckte mit den Schultern. Dann ging sie auf die Glasplatte und ein elektronisches Summen ertönte.
"Du musst auf die roten Abdrücke.", hörte man von irgendwo aus einem Lautsprecher.
Das Mädchen zuckte bei Maries Stimme zusammen. Es hatte sich angehört, als ob sie direkt neben ihr stehen würde, so klar war sie zu hören.
"Können sie mich sehen?", fragte sie daher und legte wie automatisch die Hände vor ihre sich entwickelnden Mädchenbrüste.
"Nein.", sagte Marie durch den Lautsprecher, "Der Computer sagt mir nur, dass du falsch stehst. Und keine Angst, das Glas trägt 400 Kilo."
Jelena murmelte etwas zustimmendes und stellte sich ihre schönen schlanken Beine auseinanderspreizend auf die roten Fußfelder. Diesmal kam ein elektronisches Piepen.
"Die Arme weit zu den blauen Hand-Markierungen ausstrecken.", sagte eine weibliche Computerstimme, "Und zu dem grünen Kreuz blicken."
Die Schülerin war etwas beschämt, wie entblößt sie da stand, folgte aber den Anweisungen.
"Körper durchstrecken."
Jelena gehorchte.
"Einatmen und Augen schließen."
Das Mädchen zögerte kurz und die Stimme wiederholte sich.
"Augen schließen."
Sie machte die Augen zu.
"Nicht bewegen." sagte die Computerstimme mehrmals, als auf einmal ein metallisches dumpfes Klacken erklang, "Vorgang eingeleitet."
Es war ein unangenehmes Gefühl, so nackt und ohne zu sehen zu stehen, aber nach vielleicht einer halben Minute war es bereits vorbei und man hörte, wie das Klacken erstarb.
"Fertig, Jelena.", hörte man Marie sagen, "Du kannst dich jetzt anziehen."
Jelena zuckte mit den Schultern und ging zurück in die Umkleidekabine. Als mit dem Ankleiden fertig war, fand sie jedoch zu ihrer Überraschung im Computerraum neben Marie eine weitere Person, ein vielleicht siebzehn-, achtzehnjähriges Mädchen in einer tadellos sitzenden Schuluniform vor, die sie emotionslos anschaute.
Sie war beinah irritierend hübsch und Jelena fragte sich mit einem leichten Minderwertigkeitsgefühl, ob hier jeder so attraktiv war.
"Das ist Ernestine.", sagte Marie derweil, "Jeder Neue bekommt zur Orientierung einen Tutor aus einem der höheren Jahrgänge, der auf ihn aufpasst."
"Hallo Jelena.", sagte das andere Mädchen und blickte dann zu dem Flachbildschirm an der Wand, der jetzt endlose Zahlenkolonnen ausgab.
Völlig unverständlich, dachte Jelena, doch am Ende wurde es etwas klarer und plötzlich stoppte die Ausgabe.
"Ah.", sagte Marie, "da haben wir's. Größe 1,65 m, Unterbrustumfang 72 cm, Brustumfang 86, macht einen 70B Cup, Taille 70, sehr schön, Hüfte 88 cm und Gewicht 55 kg."
Es war der fünfzehnjährigen etwas peinlich, wie Marie ihre Daten vor der anderen so einfach herunterspulte, doch sie sagte nichts. Sie musste im Sommer zwei Kilo zugenommen haben, doch zum Glück sah sie gut dabei aus.
"Hm.", machte sie und schaute unsicher zu Ernestine, die nur herablassend mit den Schultern zuckte und zu Marie sah.
"Deine Daten gehen gleich zur Schneiderei.", sagte diese, doch bevor Jelena fragen konnte, was das hieß, ertönte plötzlich ein elektrisches Summen hinter ihnen.
Es kam von dem grauen Kasten und Marie lächelte.
"Das ist dein Band und die Karte.", sagte sie und öffnete eine Klappe an dem grauen Kasten.
Sie holte, neugierig von Jelena betrachtet ein langes grünes Band, ein kleines grünes Armband mit einer Art Aluminiumschelle, wie bei einem Vogelring und eine weiße Plastikkarte hervor.
"Sehr schön.", grinste Ernestine und schaute gelangweilt auf den Flachbildschirm, wo jetzt eine Großaufnahme von Jelenas Gesicht auf einer Art Ausweis zu sehen war. Ihr Name, Geburtsdatum und einige Zahlen standen darauf und sie begriff, dass es eine Abbildung der Chipkarte war.
Sie war jedoch erstaunt, dass sie auf dem Bild bereits eine blaue Schuluniform und ein grünes Halstuch trug. Offenbar retuschiert, dachte sie und erinnerte sich daran, dass das weinende Mädchen ein gelbes Halstuch getragen hatte,während Ernestine ein orangenes trug und Marie ein weißes.
"Haben die Farben was zu bedeuten?", fragte Jelena daher und schaute zwischen den beiden hin under
Ernestine verdrehte nur die Augen, als ob sie etwas völig bescheuertes gefragt hätte, doch Marie lächelte.
"Grün ist für neue, dann kommt gelb, dann orange und schließlich braun. Verwaltung hat weiß und es gibt noch einige weitere Farben, die aber nur in Sonderfällen vergeben werden."
Jelena fragte sich was das war, doch sie unterließ es zu fragen, da Marie sie jetzt bat, ihren Arm auszustrecken.
"Warum?", fragte sie, doch die junge Frau hatte ihr bereits das kleine grüne etwa einen Zentimeter breite Band um das Handgelenk geclipt.
Es sah aus, wie eines dieser Armbänder, die man im Schwimmhalle für den Schlüssel bekam, dachte sie und schaute auf den Aluminiumclip. Er wirkte nicht, als ob man ihn so leicht lösen konnte, doch Marie hängte ihr bereits das lange grüne Band mit der Chipkarte um den Hals.
"Bitteschön.", sagte die ältere und grinste, "Nicht verlieren, den brauchst du als Schlüssel, um überall rein und rauszukommen."
Das hatte sie also vorhin mit hochtechnisiert gemeint, dachte Jelena beeindruckt, obwohl ihr das glanze gleichzeitig etwas unheimlich war.
"Wozu das Armband?", fragte sie einsilbig.
Marie lachte.
"Die Schüler verlieren immer ihre Kennkarten.", sagte sie, "Da haben wir die Armbänder als Notlösung eingeführt. Sie haben eine etwas eingeschränkte Funktionalität, aber sie funktionieren sonst genauso, wie die Kennkarte bei Türen. Einfach vor die runden Metallfelder in der Wand halten."
Jelena nickte noch mehr beeindruckt. Automatische Türen. Sie begriff jetzt auch, wozu diese runden etwa handflächengroßen polierten Metallflächer neben den Türen waren und wieso es hier außer an den Haupttüren keine Schlüssellöcher gab.
"Und?", meldete sich da Ernestine und man sah an ihrem Gesichtsausdruck, dass sie los wollte.
Marie nickte.
"Wir sind dann hier fertig.", sagte sie und griff nach Jelenas Rucksack auf dem Boden, "Hier. Ernestine bringt dich jetzt zur Schneiderei und dann in dein Quartier, wo du duschen und deine Mitschüler und Mitbewohnerin kennenlernen kannst. Wenn du Fragen hast, frag Ernestine oder melde dich bei mir."
Ernestine grinste herablassend und schaute dann zur Decke, während Marie die Tür zum Foyer hin öffnete und die beiden hinausließ. Freundlich winkte sie den beiden hinterher und ließ sich dann ihren Ledersessel fallen, während sie sich genießerisch über die Lippen leckte.
Die Kleine war wirklich süß, dachte sie unbewusst tief den aromatisch-süßlichen Geruch, den sie längst nicht mehr wahrnahm einsaugend und fuhr sich langsam mit der Hand über den elektrisch knisternden Stoff ihres im Schritt feuchten Rocks.




Jelena folgte derweil Ernestine durch einen parkartigen Bereich hinter dem Haus und hatte tausende Fragen. Aber die ältere hatte offensichtlich nicht die leiseste Absicht, sich mit ihr zu unterhalten und so beschränkte sich Jelena darauf die Gegend zu betrachten.
Es war eine waldreiche hügelige Gegend und man sah am unteren Hand des Hügels auf dessen Spitze der kleine Park lag, einen kleinen Bach und dahinter ein weißes modernes Glas- und Stahlgebäude durch die Kiefern schimmern.
Es sah irgendwie merkwürdig und total futuristisch aus, aber da es inmitten des Zauns lag, musste es wohl zum Gymnasium gehören. Der Kiesweg, auf dem sie liefen führte jedoch nicht dorthin, sondern auf eine weitere bewaldete Anhöhe, hinter der Jelena die restlichen Gebäude vermutete, die sie von dem Prospekt und der Webseite kannte.
Das Quartier für die Schüler, die Schwimmhalle, auf die sie sich besonders freute, die Cafeteria, das Schulgebäude und so weiter. Doch Ernestine erklärte überhaupt nichts, bis Jelena es schließlich nicht mehr aushielt und sich räusperte.
"Bist du schon lange hier?"
Aber Ernestine hatte kein Interesse an Konversation.
"Wie hießt du gleich nochmal?", fragte sie nur abrupt stehen bleibend und funkelte das jüngere Mädchen an.
"J-jelena.", antwortete die Fünfzehnjährige kleinlaut.
"Was ist das für ein bescheuerte Name?"
Jelena zuckte beleidigt mit den Schultern.
"Meine Mutter mochte Helena und da mein Opa aus Russland kommt und wir in Jena leben, machte sie Jelena draus.", sagte sie trotzig und fragte sich, ob Ernestine so viel besser war.
"Hm.", machte diese derweil und sie gingen schweigend ein Stück, als man am Fuß des Hügels jetzt Bewegung und Geräusche bemerken konnte.
Jelena blickte neugierig hinab und sah eine Gruppe von vielleicht zwölf-, dreizehnjährigen Mädchen in dunkelblauen engen Radlershorts und weißen knappen Poloshirts in Zweierreihen erstaunlich schnell und geordnet einen Waldpfad entlangrennen.
Sollte das etwas die Sportkleidung sein, fragte sie sich und schüttelte leise den Kopf, als sie bei den meisten Mädchen die im Laufrhythmus schwingenden Brüste durch die körperengen Shirts drücken sah. Für Zwölf, Dreizehn hatten einige, eigentlich alle, ziemlich große Brüste, kaum eine weniger als B-Cups und sie versuchte sich zu erinnern, wie sie mit mit Dreizehn ausgesehen hatte. Sicherlich nicht so.
"Wer sind die?", versuchte Jelena erneut ein Gespräch anzufangen, doch Ernestine unterbrach sie.
"Hör zu ...", sagte sie sauer und griff nach Jelenas Kennkarte, "Mississ Jelena Coralie Tralala was auch immer, ich bin nicht hier, um für dich den Scheißbabysitter zu spielen und ich will auch nicht deine allerbeste Freundin sein, also nerv mich nicht, ok?"
Jelena verzog das Gesicht und ein wehmütiger Ausruck zog ungewollt über ihr Antlitz, so dass Ernestine sich doch zu einer Erklärung aufschwang.
"Das sind die Unterstufen.", erklärte sie rau und zeigte auf den etwa 800 Meter entfernten futuristischen Glas-, Stahl- und Betonbau unterhalb des Baches, "Sie sind in dem neuen Gebäude da unten untergebracht und wir haben nicht viel mit ihnen zu tun, bis zur Zehnten. Dann zieht man um in das alte Gebäude, wo wir sind. Also schlag sie dir aus dem Kopf."
Sie beschleunigte ihren Schritt, so dass die verwirrte Jelena nicht fragen konnte, was die ältere mit dieser Bemerkung gemeint hatte.




Die Schneiderei, von der Marie gesprochen hatte lag in einem kleinen Haus, dass in seinem Stil dem Gebäude der Unterstufen entsprach. Mit seiner kalten Glas und Stahlbauweise sah es daher überhaupt nicht so aus, wie Jelena sich eine Schneiderei vorstellte und auch im Inneren wirkte das menschenleere Gebäude karg und abweisend.
Das einzig angenehme war diese leicht süßlich-aromatisch Geruch, den Jelena beim Betreten des Gebäudes wahrgenommen zu haben glaubte. Sie überlegte, ob es eine Art Raumlufterfrischer war, der hier anscheinend flächendeckend verwendet wurde, aber bevor sie den Geruch genauer identifizieren konnte, war er bereits nicht mehr wahrnehmbar und Jelena vergaß das Ganze.
Ernestine steuerte derweil unbeeindruckt auf einen großen Tresen zu, ähnlich dem im Foyer des Verwaltungsgebäudes, nur dass hier niemand dahinter saß. Irritiert blickte Jelena zu Ernestine, die jedoch nur grinste und auf eine Tür in der einfachen Betonwand deutete.
"Deine Karte.", sagte sie und schaute genervt.
Jelena stutzte einen Augenblick, begriff aber dann und nahm ihre Karte in die Hand und ging zu der Tür, wo sie die Karte vor eines dieser handflächengroßen polierten runden Metallfelder hielt.
Es gab ein elektronisches Piepen und die Tür schwang mit einem Zischen auf.
"Eintreten.", sagte eine Computerstimme, während in dem Raum eine Lampe ansprang und alles in ein orangenes warmes Licht tauchte.
Es war wie vorhin nicht wirklich hell, aber ausreichend, um alles zu erkennen. Ein kleiner Lagerraum mit langen Reihen von Stahlfächern wie bei einer Leichenhalle. Es war etwas furchteinflößend, aber Jelena machte ein cooles Gesicht und folgte Ernestine zu einem Fach, dass nicht wie die anderen aussah und sich als Flachbildschirm mit Touchscreen entpuppte.
Ernestine tippte grob mit der Hand dagegen und schaute vorwurfsvoll zu dem runden Metallfeld, während der Bildschirm grün aufleuchtete.
"Entschuldigung.", sagte Jelena leise und hielt die Chipkarte vor das Metallfeld.
Auf dem Bildschirm leuchtete ihr Name auf und wieder diese typischen Zahlenkolonnen. Dann wurde eine Reihe von Kleidungsstücken angezeigt und dahinter die Anzahl.
"Dein Zeug.", sagte Ernestine zynisch und zeigte auf eine Klappe, die im Hintergrund zischend aufging, "Frisch aus der Retorte."
Eine Platte kam aus der Öffnung herausgefahren und darauf mehrere Pakete.
"Ist da auch so ein Jacket drin?"
Ernestine verdrehte die Augen.
"Standardjacket, Halstuch, unser geiler Standardrock, Standardstrümpfe.", ätzte sie und grinste, "Badeanzug, Sportzeug ..."
"Etwa diese Radlerhosen?", fragte Jelena kritisch, die sich an die Achklässler erinnerte, die sie auf dem Weg gesehen hatten.
Sie war nicht prüde, aber diese knappen Dinger gefielen ihr gar nicht.
"Jepp ... BH, Höschen ..."
"Was?!"
Ernestine grinste.
"Ja, aber du kannst eigene nehmen, wenn sie nicht gegen die Vorschriften verstoßen?"
"Vorschriften?!", fragte Jelena entsetzt, während die ältere nur den Kopf schüttelte.
"Sag mal, hast du dir mal die Schulverträge durchgelesen?! Da steht doch alles drin."
Jelena hatte sich natürlich nicht alles durchgelesen, aber darauf vertraut, dass ihre Eltern das getan hatten.
"Meine Eltern.", sagte sie kläglich.
"Dann werden sie's auch gelesen haben und einverstanden sein. Oder denkst du, dass deine Eltern jedes mal Lust darauf haben, von der Schule angerufen werden, wenn du eine Spritze kriegst oder dir eine Windel wechseln musst?"
"N-nein, aber ..."
"Na dann jammer nicht, das läuft hier bei uns allen so und davon abgesehen, das Zeug ist gut, sitzt wirklich einwandfrei. Wahrscheinlich wirst du irgendwann sogar mehr davon wollen."
Jelena seufzte auf und musterte die andere aus dem Blickwinkel. Das dunkelblaue enge taillierte Schuljacket mit der weißen Bluse mit weitem V-Kragen darunter. Das orangene gedrehte Halstuch.
Es sah nicht schlecht aus, ebensowenig, wie der farblich zum Oberteil passende knielange Rock und die schwarzen Kniestrümpfe.
"Aber damit sieht man aus, wie aus einem Manga.", sagte sie.
Ernestine lachte auf.
"Quatsch.", sagte sie und schüttelte den Kopf, "Hast du dir mal japanische Schuluniformen angesehen? Die sehen aus wie Matrosenuniformen. Wie auch immer, schnapp dir jetzt dein Zeug. Du hast mich schon genug Zeit gekostet."




2. Quartier

Jelena hatte etwas Mühe, die Kartons mit der Kleidung die Treppe hinauf zu balancieren, aber sie hatte keine Lust gehabt, Ernestine zu bitten, ihr zu helfen, wo diese sich schon die ganze Zeit über ihre Lahmarschigkeit beschwert hatte.
Und selbst auf dem Weg von der Schneiderei bis zu dem großen dreistöckigen Gebäude, in dem die Quartiere der Oberstufe untergebracht waren, hatte sie nur zwei kleine Kartons mit deutlichem Widerwillen getragen.
Sie war jedenfalls froh, als die Ältere nach dem sie sie vor dem Hauseingang abgesetzt hatte, in Richtung der Cafeteria, über der sich irgendwelche Freizeiträume befinden sollten, abgezogen war.
Jelena hat daher zwei unten im Hausflur ungeniert küssende Mädchen gefragt, wo ihr Raum war, doch die beiden hatten sie nur deutlich gestört an den Pförtner verwiesen, der jedoch nicht dagewesen war.
Sie hatte daher beschlossen, selbst in die dritte Etage zu gehen, wo nach Auskunft des einen Mädchens die Zimmer der Zehntklässler und ein Lehrerzimmer am Ende des Ganges waren.
Oben angekommen stand sie in der Mitte eines nach beiden Seiten etwa zwanzig Meter abgehenden Flurs mit vielen Holztüren an den Seiten. Und sie sah zum ersten Mal eine größere Anzahl von Schülern, worunter sie zum ersten Mal auch zwei Jungs sah. Ihr stand nicht wirklich der Sinn nach Flirten, aber sie hatte es schon seltsam gefunden, dass sie bis jetzt nur Frauen oder Mädchen gesehen hatte.
Sie standen in ihren Schuluniformen vor einem Raum, der so was wie ein Aufenthaltsraum sein musste und lärmten. Jelena beschloss, zu ihnen hinüberzugehen und sie zu fragen, als sich plötzlich jemand hinter ihr räusperte.
"Noch so ein abgefucktes Asilida-Opfer.", hörte sie jemand abfällig sagen und fuhr erschrocken herum.
Eine hübsches Mädchen mit einer roten Weste und schwarzem Minirock in etwa ihrem Alter mit dunkelbraunen wilden schulterlangen Locken schaute auf ihre überall mit dem Asilida-Logo bedruckten Kartons und grinste.
"Bist du Cora?", fragte sie dann und musterte Jelena, dass diese erst nicht wusste, was sie sagen sollte.
"Je-, also ja, aber eigentlich nennt mich jeder Jelena.", sagte sie und starrte die andere an, "Woher ... ?"
"Weil du meine Mitbewohnerin bist. Deine Reisetaschen sind schon da und verstopfen den Gang.", lachte sie und schnappte sich die obersten Kartons, bevor Jelena reagieren konnte, "Na komm."
"Danke.", presste Jelena heraus und beeilte sich, der anderen hinterherzugehen, wobei ihr auffiel, dass das Mädchen als einzige außer ihr keine Schuluniform trug.
"Keine Ursache.", sagte die andere und grinste, "Ich bin übrigens Alexandra, aber wenn du mich etwas anderes nennst als Alex, töte ich dich."
"Ok." sagte Jelena und nickte, etwas eingeschüchtert von der offenen und lockeren Art der anderen.
Diese lachte und blickte zu einer Tür vor Ihnen, während sie mit ihrer rechten Hand umständlich nach ihrem Schlüsselband kramte, dass sie offensichtlich in der Tasche ihres schwarzen Minirocks trug.
Jelena notierte zufrieden, dass es ebenfalls grün war.
"Da ist es.", sagte Alex und deutete auf die Tür, "Wir sollen es eigentlich immer um den Hals tragen."
"Was?"
Alexandra grinste.
"Unsere Hundeleine.", lachte sie und hielt ihre Kennkarte grinsend vor das Metallfeld, über der man ein Namenschild sah, woraufhin die Kiefernholztür entriegelte und sich aufstoßen ließ, "Willkommen in meinem Zimmer."
Jelena blickte kurz auf das Namenschild. Ihr voller Name stand darauf und daneben der ihrer Mitbewohnerin, Alexandra Schiller. Dahinter jeweil ein paar merkwürdige Nummern HJCB-991208-37601 bei ihr und ASB-960919-37301. Wie bei einem Ausweis, dachte sie bis sie kapierte, dass die Zahl tatsächlich so aussah, wie der Zeichencode auf Chipkarte. Sie zuckte mit den Schultern und folgte Alex hinein in das Zimmer.
Das Zimmer war nicht besonders stark möbliert, aber mit zwei Betten, das linke davon mit ihren Reisetaschen bedeckt, zwei Nachttischchen und jeweils zwei Kleiderschränken geschmackvoll und ausreichend ausgestattet. Alles schön in hellem Holz, doch irgendwie ziemlich eng.
Die mit lachsrosafarbenen Bezügen bespannten Betten sahen aus, als wenn sie kaum einen Meter auseinanderstanden. Jelena hatte noch nie so dicht bei jemand anderem geschlafen und Alex, die jetzt hinter ihr die Tür geschlossen hatte, schien ihre Gedanken zu ahnen.
"Bisschen eng, was?", fragte sie und ließ sich auf einen gepolsterten Stuhl an einem Tisch neben der glänzenden mit breiten Streifen gemusterten Zimmerwand fallen, "Aber sieh's mal positiv. Wenn ich schnarche, kannst du mir einen Tritt geben."
Jelena grinste.
"Ich hab' einen tiefen Schlaf.", sagte sie, als ihr plötzlich auffiel, dass die glänzende Wand gar keine Wand war, "W-was ... ist das denn?"
Es war eine riesige nur in der Mitte unterbroche Glasscheibe, welche sonst die gesamte linke Seite des Zimmers einnahm und die Querstreifen waren aufgeraute Stellen, so dass es einen Milchglaseffekt gab.
"Das ist das Bad.", sagte Alex nur und zuckte mit den Schultern, während Jelena schluckte.
Sie stellte die Kartons auf das Bett und trat durch die Lücke in der Glaswand in den komplett gekachelten Nassbereich. Sofort sprang eine dieser hier überall vorhandenen komisch geformten Lampen an und spendete orangenes Licht.
Und tatsächlich, am linken Ende des schmalen Bereichs waren eine Duschkabine und rechts eine merkwürdig geformte Toilette. Direkt vor ihr war ein Waschbecken mit einigen Waschutensilien, die offenbar Alex gehörten.
"W-wo ... wo ist denn die Tür?", entfuhr es Jelena entsetzt und sie blickte durch die Glasscheibe nach draußen, wo sie Alex sah, die zu ihr blickte, "Da kann man ja alles sehen."
Ihre Mitbewohnerin grinste und stand auf, um zu ihr hereinzukommen.
"Tja, ist alles etwas gewöhnungsbedürftig, oder?"
"Aber hier ist ja nicht mal 'ne Tür!"
"Ja, aber das ist bei allen so und man gewöhnt sich irgendwie dran."
Jelena verstand ihre Mitbewohnerin nicht, wie sie sich so leicht damit abfinden konnte.
"Das stinkt doch.", sagte sie und blickte instinktiv durch die Scheibe in den Schlaf und Wohnbereich, wo man im Hintergrund das Fenster sah.
Doch Alex zuckte nur mit den Schultern.
"Du wirst dich daran gewöhnen müssen.". sagte sie, "So wie alle hier."
Jelena hatte nicht wirklich Lust darauf und schritt aus dem Nassbereich heraus. Sie drehte sich um und man sah, von den nur die Silhouetten zeigenden Querstreifen abgesehen alles.
"Ich weiß nicht.", sagte sie dann und ging zu ihrem Bett, wo ihr jetzt schmerzlich bewusst war, dass es direkt neben der Dusche lag.
Sie setzte sich neben die Reisetaschen und die Kartons. Alex, die ihr aus dem Bad gefolgt war, setzte sich ihr gegenüber auf ihr Bett.
"Mach dir nicht so einen Kopf. Es wird dir hier schon gefallen. Aber du solltest jetzt deine Sachen anprobieren. Es gibt um Zwölf die Eröffnungsrede und du willst vorher vielleicht noch mit Frau Jansen reden."
Jelena wusste durch die Korrespondenz ihrer Mutter mit der Schule, dass Frau Jansen die verantwortliche Lehrerin für die Schüler der Klassenstufe 10 war, aber sie hatte im Moment nicht wirklich Lust sie zu sehen.
Trotzdem nickte sie und begann, die Kartons neben sich zu öffnen und den Inhalt auf dem Bett auszubreiten.
"Wie lang bist du eigentlich hier?", fragte sie und begann sich auszuziehen, "Du hast ja auch noch so ein grünes Band."
Alex lachte.
"Schon die ganzen Ferien.", sagte sie dann etwas ernster und zuckte mit den Schultern.
"Warum nicht zu Hause?", fragte Jelena und hielt kurz inne, als sie merkte, dass sie jetzt nur in Unterwäsche vor ihrer Mitbewohnerin stand.
Alex wurde kurz still.
"Es gibt eigentlich sowas wie ein Zuhause nicht.", sagte sie, "Meine Mutter ist gestorben als ich Dreizehn war und mein Dad hat das irgendwie nie verwunden. Zwei Jahre ist das jetzt her Er hat seitdem nur seine Arbeit, er ist Vertreter, und seinen Alkohol. Und irgendwann waren wir der Meinung, das wir das hier machen."
Jelena war betroffen und wollte nichts dummes sagen.
"Tut mir Leid.", sagte sie daher nur und legte ihren BH ab, so dass ihre schönen Brüste heraussprangen, "Du bist auch Fünfzehn?"
"Ja. Wann hast du Geburtstag?"
"Am 8. Dezember.", antwortete Jelena und probierte den Asilida-BH an, "Und du?"
"Am 19. September.", sagte Alex und lachte, "Dann bin ich Zimmerälteste und darf entscheiden."
Jelena drehte sich um und streckte ihr die Zunge raus.
"Wahrscheinlich auch Klassenälteste, was?", fragte sie spöttisch, wobei ihr auffiel, wie perfekt der BH saß.
Man spürte ihn nämlich überhaupt nicht, dachte sie anerkennend und griff nach dem dunkelblauen Schulrock.
"Kann schon sein, aber ich hab gehört, dass die Klassen ganz schön durchmischt sind."
"Ja?", fragte Jelena und zog den Rock, der zwar eng war, aber ebenfalls perfekt saß.
"Ja, die haben hier ein Punktesystem, was sich mehr am tatsächlichen Leistungsstand, als einfach nur am Alter orientiert."
"Komisch.", entfuhr es Jelena und sie fuhr fort, sich anzukleiden, wobei sie mitkriegte, dass in alle Kleidungsstücke eine Zahlenkombination in der Art von ZZ0000P0012-HJCB-991208-37601 mit ihrer persönlichen ID-Nummer eingenäht war.
"Keine Ahnung.", sagte Alex derweil und zuckte mit den Schultern, "Es scheint ganz gut zu funktionieren. Wir haben sogar eine Hochbegabte, die ist erst Dreizehn."
"Echt?"
"Ja, Kaja Ecker oder so.", sagte Alex und Jelena fiel ein, dass sie den Namen kannte.
"Vielleicht Eckert? So eine niedliche zarte Blonde?", fragte sie und dachte an das weinende Mädchen im Foyer.
"Weiß ich nicht, ich kenn' hier auch kaum jemand von diesen Freaks. Ich hab's nur gehört."
Jelena nickte abwesend und stopfte sich die weiße Bluse unter den Rock, während sie Alex einen Moment nur schweigend musterte.
"Sieht richtig gut aus.", sagte sie dann und grinste, "Scheiße angepasst, aber auch scheiße gut."
Jelena grinste.
"Und sitzt auch gut, muss ich echt sagen."
"Na bitte.", sagte Alex, als plötzlich flackerndes Licht hinter ihr anging.
Sie drehte sich irritiert um und sah das Bild einer moderat attraktiven dunkelhaarigen Frau in ihren Vierzigern, dass offenbar von irgendwo her auf die Glaswand neben Jelenas Bett projeziert wurde.
"Hallo.", sagte die Frau freundlich, "Du bist Jelena Herrmann, nicht wahr?"
Die angesprochene nickte, erstaunt über die krasse Technologie, mit der die Lehrerin so plötzlich in ihr Zimmer getreten war.
"Hallo Frau Jansen.", sagte derweil Alex mit offensichtlich gespielter Freundlichkeit und man sah, wie das Gesicht der Frau einen genervten Ausdruck bekam.
"Alexandra.", sagte sie deutlich mißgestimmt, "Warum hast du deine Schuluniform nicht an? Direktor Brandt hält in einer halben Stunde seine Eröffnungsrede und du hast schon eine Verwarnung. Also mach dich jetzt fertig. Und du kommst bitte noch einmal in mein Büro. Zimmer 323."
Jelena nickte instinktiv, doch der Bildschirm war bereits erloschen und nichts erinnerte mehr an das Gespräch, so dass sie automatisch zur Decke schaute, wo neben der komisch geformten sanft orange leuchtenden Lampe ein kleiner silberner Zylinder war, der ihrer Meinung nach der Beamer war.
"Wow.", sagte sie leise, "Die sind technisch echt auf dem neuesten Stand."
Alex grinste.
"Das war noch gar nichts, Hübsche.", sagte sie und stand auf, um ihre rote Weste abzuwerfen, "Du kommst dir hier vor wie auf der Enterprise."
"Hm.", machte Jelena und zog sich das Jacket an, "Was meinte sie mit Verwarnung? Hast du hier Ärger?"
"Ich hab schon wieder 'nen paar Punkte gekriegt, aber die Jansen übertreibt. Die mögen hier nur keine Individualisten wie mich."
"Ok?"
Alex verstand nicht recht und zuckte mit den Schultern
"Ich mach' halt nicht gern, was man mir vorschreibt und hier schreiben sie dir viel vor.", sagte sie und seufzte, "Aber du solltest jetzt zu unserem sanften Monster gehen. Und sorg' bloß dafür, dass deine Uniform richtig sitzt oder sie kriegt einen Herzinfarkt."
Sie lachte und griff nach Jelenas grünem Halstuch auf dem Bett und half ihr, es anzulegen, bevor sie sich wieder sich selbst widmete.
Jelena bedankte sich und zog sich noch schnell die schwarzen Strümpfe und Schuhe an, die ebenso wie alles andere hervorragend saßen und kaum am Körper zu spüren waren, obwohl sie wusste, dass die Sachen unheimlich körperbetont geschnitten waren.
Dann schnappte sie sich das lange grüne Band mit der Kennkarte und ging zügig aus dem Zimmer, wo ihr auf dem Flur jetzt mehr Mädchen in blauen Schuluniformen begegneten, die sie neugierig anstarrten.
Sie registrierte dabei, dass die meisten gelbe Halsbänder zu tragen schienen und fühlte sich etwas minderwertig, obwohl sie von ein oder zweien auch das Gefühl hatte, dass sie sie vom Fernsehen wiedererkannten.
Doch niemand sagte etwas und sie ging weiter an der Gruppe in Richtung des Lehrerzimmers, als ihr plötzlich noch einmal das Bild von Frau Jansen vor Augen hatte.
Und diesmal schrak sie zusammen, denn sie begriff, dass wenn sie die Lehrerin sah, diese sie auch sehen musste. Irgendwo in dem Zimmer war eine Kamera.




Das Gespräch mit Frau Jansen war kurz gewesen und die Sache mit der Kamera hatte Jelena natürlich nicht angesprochen. Die Lehrerin hatte sich statt dessen kurz vorgestellt und Jelena willkommen geheißen, obwohl das Mädchen die ganze Zeit das Gefühl gehabt hatte, dass sie nicht recht wusste, was sie mit ihr anstellen sollte.
Denn von dem wenigen, was die Lehrerin sagte war eines klar. Dass es offenbar ein Fehler gewesen war, dass dieses Jahr überhaupt Schüler zugelassen worden waren, da dies normalerweise nur alle zwei Jahre geschehen würde.
Anscheinend hatte jemand also eine Fehlentscheidung getroffen, aber auf ihre ängstliche Frage hin, ob sie jetzt wieder weg müsste, hatte die Frau nur gelacht und gesagt, dass es kein Problem wäre.
Irritiert war Jelena trotzdem deswegen und zu allem Überfluß hatte sie Frau Jansen erst zehn vor Zwölf mit ein paar Flyern herausgelassen, so dass sie Alex nicht mehr aufgefunden hatte und stattdessen gleich mit ihrem Schwimmzeug zur Turnhalle gegangen war, wohin jetzt eine erstaunliche Anzahl von Schülern aller Altersstufen aus allen Richtungen strömten.
Und alle trugen die gleiche blaue Schuluniform, wie Jelena es sonst nur aus dem Fernsehen kannte. Wie in einem Ameisenstaat, dachte sie und verzog etwas den Mund. Denn sie sah leider niemanden, der sonst ein grünes Halstuch trug.
Und da sie auch sonst niemanden kannte, ließ sie sich von dem Strom mittreiben, bis sie irgendwann in der großen modernen Turnhalle angekommen war, die auch als Aula genutzt wurde und jetzt mit hunderten perfekt ausgerichteten Stühlen vollgestellt war.
Für eine Sekunde hatte Jelena sogar die Befürchtung, dass die Stühle nummeriert waren, doch dem war nicht so und so suchte sie sich eine der hinteren Reihen neben der jetzt eingefahrenen Zuschauertribüne aus, wo sie sich mit einem kurzen Gruß neben eine hübsche braunhaarige in etwa ihrem Alter setzte, die grinsend die Bemühungen einer Cheerleader-Truppe verfolgte.
Das Mädchen schaute zu ihr.
"Hi Jelena.", sagte sie dann nache einem kurzen Blick auf ihr grünes Halstuch und Schlüsselband, "Erstie?"
Die Angesprochene schaute verblüfft.
"H-hi ... kennen wir uns?", fragte Jelena, da sie nicht glaubte, das die andere sie vom Fernsehen kannte.
"Steht doch da.", sagte die andere und zeigte lachend auf Jelenas Brust, "Ich bin übrigens Viktoria. Vicky oder Vi reicht aber auch."
Sie tippte sich an die Brust und jetzt begriff Jelena auch. Unter dem Asilida-Logo war in goldgelben Buchstaben ihr Name und etwas kleiner sogar ihre Nummer eingestickt und sie fragte sich, warum es ihr nicht schon eher aufgefallen war.
"Oh.", sagte sie und musterte die andere, "Das hab' ich noch gar nicht gesehen."
"Gibt viel zu lernen am Anfang.", sagte Vicky und nickte, "Ich wusste gar nicht, dass dieses Jahr aufgenommen wird."
"War anscheinend 'ne Sonderregelung.", gab Jelena grinsend zurück und zuckte mit den Schultern, "Bringt jetzt wohl die ganzen Farbcodes durcheinander. Und ich hab die schon wieder vergessen."
Vicky lachte.
"Es hat zwar nur indirekt was mit den Klassen zu tun, weil eher das Punktesystem enscheidend ist, doch merk' dir einfach Grün für neue, Gelb nach ungefähr einem halben Jahr, dann orange und schlußendlich braun.", sagte sie schnell und deulich, "Nicht weiter schlimm oder? Ich frag' mich nur, warum sie die Farben nicht jedes Jahr ändern. So ist es doch Verschwendung."
Jelena war etwas verblüfft wie schnell und strukturiert die Braunhaarige ihre Gedanken formuliert hatte. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit etwas eingeschüchtert wieder auf die Cheerleadergruppe, die um das Podium mit einem Mikrofonpult herum ihre Darbietungen für das Publikum in der jetzt etwa zu zwei Dritteln vollen Turnhalle aufführten.
Mehrere extrem hübsche und knapp in noch kürzere Versionen der Schuluniform gehüllte supersportliche Mädchen zwischen vielleicht sechzehn und zwanzig Jahre wirbelten in beeindruckenden Pirouetten über ds Podium und Jelena fühlte sich erneut ein wenig minderwertig.
Ihre Nachbarin musterte sie derweil, als sie plötzlich grinste.
"Du bist doch diese Zicke Miriam aus Schloss Einstein, oder?"
Jelena zögerte einen Moment. Sie war schon öfter erkannt worden, aber angenehm war es ihr nie gewesen, vor allem, weil sie privat auch so ganz anders war, als ihre Rolle. Davon abgesehen, war das ein Jahr her und sie hatte jetzt auch einen ganz anderen Stil.
Sie räusperte sich und nickte dann.
"Gute Augen.", sagte sie und errötete etwas, worauf die andere triumphierend lachte.
"Wusste ich doch.", sagte sie, "Ich hab ein eidetisches Gedächtnis."
"Ei-n was?"
Vicky lachte.
"Dass heißt, dass ich mir im Prinzip alles merke, was ich mal gesehen habe."
"Ohh.", machte Jelena und nickte anerkennend, obwohl sie es eher ein wenig zum Fürchten fand, "Wirklich alles?"
"Naja.", sagte Vicky, "Ich bin andererseits auch selektiv aufmerksam. Ist also interessenabhängig."
Sie grinste erneut und schaute zu ein paar Jungs, die ein paar Reihen vor ihnen Platz nahmen. Es gab also doch noch welche, dachte Jelena, richtete ihre Aufmerksamkeit aber wieder die Cheerleadertruppe.
Für mehrere Minuten boten sie ihr Schauspiel und der Saal füllte sich weiter, als die Mädchen schließlich Punkt Zwölf ihre Darbietung unterbrachen und eine von ihnen, eine durchtrainierte Blonde mit einen süßen Puppengesicht und strahlenden blauen Augen zu dem Mikrofonpult ging.
"Achtung, Leute.", sagte sie fröhlich und strich sich niedlich durch die schulterlangen Haare, "Würden jetzt bitte alle für die Schulhymne aufstehen."
Der Saal gehorchte pflichtschuldigst und eine poppig klingende Melodie erklang aus großen Lautsprechern an der Decke der Turnhalle.
Jelena studierte derweil gelangweilt die Blonde am Mikrofon, deren schönes sanft welliges Haar beim Mitsingen leicht hin und herwogte.
Die anderen Cheerleader standen dabei um sie herum und man sah, wie sie sich etwas an ihr orientierten.
"Wer ist sie?", flüsterte Jelena zu Vicky, deren Gesichtsausdruck kurz etwas verächtliches bekam.
"Uähh.", machte sie nur mühselig ein Schimpfwort unterdrückend, "Die Blonde? Das ist Lena Schneidewind aus der 13., sie ist die Vorsitzende des Schülerrats. Interessant übrigens, dass sie's immer noch ist ... Sie war es angeblich schon, bevor Asilida hier vor drei Jahren anfing und alles umgekrempelt hat. Mittlerweile sind fast alle alten Lehrer weg, wir kriegen alle zwei Jahre einen Haufen Neue, aber sie ist immer noch da ... denk mal drüber nach. Wie auch immer, der hyperaktive Freak da rechts neben ihr mit den dunklen langen Haaren ist meine große Schwester Sophie, ok Halbschwester ... sie ist Kapitän der Cheerleadertruppe, Redakteurin bei der Schülerzeitung, Lehrerliebling, Trendgirl und Modeopfer ..."
Vickys Tonfall war deutlich negativ und man merkte gleich, dass es zwischen den beiden nicht zum besten bestellt war. Jelena ignorierte es und schaute zwischen beiden Schwestern hin und her. Doch sie sahen sich nicht wirklich ähnlich.
Beide hatten lange dunkelblonde beziehungsweise bei Vicky schon ins braune gehende Haare, aber damit endeten die Gemeinsamkeiten auch schon, wenn man davon absah, dass beide sportliche schlanke Figuren hatten.
Es war aber hauptsächlich die Ausstrahlung, die sich unterschied. Denn während Vicky viel ernster wirkte, sah Sophie aus, wie ein Kind, dass zu viel Zucker gegessen hat. Ironischerweise war es ihre jüngere Schwester, die ein leichtes Akneproblem hatte.
Sie wollte noch etwas fragen, als es plötzlich ruhig wurde und die Blonde wieder das Wort ergriff.
"Danke alle zusammen.", sagte sie enthusiastisch, "Es ist gut wieder hier zu sein. Und ich weiß, dass es dieses Jahr besser als je zuvor sein wird. Und ich bitte jetzt um einen großen Applaus für den Grund dafür. Unser neuer Direktor, Herr Georg Brandt!"
Sie und fast automatisch auch die gesamte Cheerleadergruppe begannen zu schreien und zu hüpfen, während das Publikum etwas weniger begeistert klatschte.
Ein gepflegter gut situiert wirkender Mann Ende Vierzig in einem dunkelblauen teuren Anzug trat auf das Podium.
"Danke Lena.", sagte er energisch und lachte, "Und Guten Morgen alle zusammen! Es ist toll, hier zu sein!"
Er machte eine Pause, um einen Schluck aus einer Wasserflasche mit dem Asilida-Logo zu nehmen und für eine Sekunde musste Jelena an die Serie Lost denken. Dieses Logo war hier wirklich überall, doch der Mann sprach bereits weiter.
Und Jelena konnte nicht wirklich einen Grund dafür nennen, doch Jelena hasste und verachtete ihn automatisch.
Er hatte so ein typisches öliges Lächeln und die Art, wie er es nutzte erinnerte Jelena an einen schmierigen Immobilienhändler oder einen korrupten Politiker. Sie fragte sich ernsthaft, wie er diesen Job bekommen hatte.
Sie schaute sich angewidert um, doch sie hatte das Gefühl, dass sie nichts registrierte außer Anerkennung, milder Langeweile oder ...
Sie schrak zusammen und ihre blauen Augen wurden groß. Der Anblick war so unerwartet und unpassend, dass sie verblüfft hustete. Denn zu ihrer linken, wo die eingefahrene Zuschauertribüne war, saß auf der untersten Stufe, zwar ganz hinten, aber völlig im Freien ein ausnehmend schönes Mädchen und masturbierte. Jelena war fassungslos und sie fragte sich, ob sie etwas falsch mitgekriegt hatte.
Gegen ihren Willen starrte sie zu der etwa achtzehnjährigen, ohne sich abwenden zu können. Aber da war kein Zweifel möglich. Man sah deutlich, wie das Mädchen oder die junge Frau sich rhythmisch sanft vor und zurück bewegte, so dass ihre langen glatten braunen Haare leicht hin und her schwangen. Von Jelenas Platz war klar zu erkennen, wie die schöne Brünette jetzt ihre Hand noch doller ihrer Hand in den Stoff ihres Rocks über dem Schritt presste und methodisch ihre Finger vor und zurückbewegte.
Es war fast hypnotisch, als Jelena plötzlich merkte, dass die Finger stoppten und die Fünfzehnjährige merkte entsetzt, dass die junge Frau direkt zu ihr herüberschaute.
Das von sanften Wellen gerahmte engelsgleiche Gesicht der Brünetten wirkte dabei jung und unschuldig und irgendwie musste Jelena an den Direktor denken, der so ziemlich das Gegenteil ausstrahlte.
Die Brünette hielt derweil Jelenas Blick wie gefangen und das Mädchen sah, wie die andere ihren Finger erneut in ihren Schritt presste.
Und als ob es nicht schon schlimm genug war, zog sie sich plötzlich den blauen Schulrock weit hoch und griff mit der Hand darunter, um ein Stück roten Stoffs, offenbar ihr Unterhöschen hervorzuziehen.
Absolut krass, dachte Jelena nur und schluckte, bei dem was sich hier gerade abspielte. Sie konnte es einfach nicht glauben und registrierte panisch, dass sie nicht in der Lage, ihren Blick von dem seltsam faszinierenden Schauspiel abzuwenden. Und so starrten die beiden einander mit geöffneten Lippen, schockiert oder erregt an, während die Brünette sich still weiterfingerte.
Bis ihr Körper plötzlich anspannte und sie nach einigen Sekunden des Verharrens ihre Hand unter dem Rock hervorzog und sich das verknitterte Kleidungsstück wieder bis zu den ebenmäßigen Knien herabzog und dann Jelena einen Luftkuss herüberblies.
Jelena wandte sich entsetzt ab und starrte zurück zu Direktor Brandt.
"... und daher weiß ich auch, dass ihr uns stolz machen werdet. Noch einmal, willkommen am Friedrich Ludwig Jahn Sportgymnasium!"
Fast sofort sprang die ganze Turnhalle auf und auch die Cheerleader begannen zu hüpfen und gleich wieder zu vergessende Slogans zu rufen.
"Was denkst du?", fragte derweil plötzlich Vicky, die nichts von allem mitbekommen hatte, aber zum Glück war die Frage nur rhetorisch, denn sie beantwortete sie gleich selbst, "Ich denke nicht, dass sie uns hier wie eine Firma voller Angestellter führen sollten. Wir sind Teenager, unsere kleinen Gehirne sind noch nicht fertig und unsere winzigen Aufmerksamkeitsspannen zu hinderlich. Sieh dir Hypergirl dort drüben an, ... ich meine, ich denke auch, wass wir für unsere Leistung Verantwortung zeigen sollten ... denk' nur an Aishe Davoglu ... obwohl, wie solltest du ..."




Der brünette Engel wartete, umgeben von einer Gruppe kichernder Mädchen und ein paar Jungs, die ihre Aufmerksmkeit erregen wollten an der Treppe des Ausgangs auf Jelena.
Es war offensichtlich, dass sie Teil der Schulprominenz war und obwohl Jelena als Jungschauspielerin selbst einige Fans gehabt hatte, war sie nie populär gewesen und beneidete die Brünette etwas, obwohl so im Mittelpunkt zu stehen, ihr eigentlich gar nicht zusagte.
Sie musterte unwillentlich und erkannte, dass sie ein braunes Oberstufenhalstuch und einen entsprechende Kennkarte trug.
"Du bist neu hier?", fragte sie plötzlich, ihr Gespräch mit den anderen unterbrechend, als Vicky und Jelena sie passierten, "Ich würde dich gerne wiedersehen, Jelena."
Jelena schluckte nur bei soviel unerwarteter Aufmerksamkeit und auch die Gruppe um die Brünette wurde still, so dass die Fünfzehnjährige errötete.
Sie wusste nicht, was sie sagen sollte, so peinlich war ihr die unkontrollierte Aufmerksamkeit, aber die andere hatte sich bereits abgewandt und verließ mit ihrer Entourage die Treppe und lief Richtung der Cafeteria.
Vicky schubste Jelena derweil an die Schulter.
"Hey.", sagte sie lachend, "Woher kennst du sie?"
Jelena starrte leer zurück.
"Wen?"
Vicky verdrehte lachend die Augen.
"Na sie da.", sagte sie halb vorwurfsvoll und nickte in Richtung der abziehenden Clique der Brünetten, "Katharina. Katharina Wien."
"Ich ...", stammelte Jelena nur hilflos und ihre Begleiterin fühlte sich zu einer Erklärung bemüßigt und hakte sie unter dem Arm ein.
"Das ist Katharina Wien, die Königin des Jahn Sportgymnasiums.", sagte sie dozierend und Jelena hinter sich herziehend, "Sie ist das Zentrum aller sozialen Aktivitäten. Kennt alle, bewegt alle. Das Top-Partygirl schlechthin. Ihre Mutter sitzt im Stadtrat und im Aufsichtsrat der Schule. Sie war eine der Hauptunterstützerinnen der Schule und manche sagen Asilida ist hier, weil Katharina hier ist, oder besser gesagt ihre Mutter. Wie auch immer, in Katharinas Gunst zu stehen ist wie eine goldene Fahrkarte zur Popularität. Jedenfalls so lange, wie dir die Wartungskosten für die Schleimer in ihrem Anhang nicht zu hoch sind. Du bist sicher, dass ihr euch nicht schon mal begegnet seid?"
Jelena schüttelte den Kopf.
"Nein. Und ich brauch' keine schleimigen Freunde.", sagte sie und dachte nur, dass das erst recht für Flittchen galt, die es sich in aller Öffentlichkeit machten.
Viktoria nickte nur verstehend und nach einigen weiteren Minuten Mädchensmalltalks verabschiedeten sie sich voneinander, denn Jelenas neue Bekanntschaft war noch mit einigen Freunden verabredet, während sie sich noch für den Schwimmkurs anmelden wollte.




Jelena blickte ihr kurz hinterher und ging dann in die andere Richtung. Sie war ganz froh, denn sie wollte sich noch alles in Ruhe ansehen, bevor morgen der Unterricht losging. Und wenn dabei niemand mitbekam, wie sie hier tolpatschig herumirrte, wie Freunde sie oft beschrieben, um so besser.
Zuerst wollte sie dabei schauen, wo die Schwimmhalle lag und vielleicht auch Schwimmen. Denn sie liebte Schwimmen.
Laut dem kleinen Plan auf einem der Flyer, den ihr Frau Jansen mitgegeben hatte war das Schwimmhalle rechts neben dem Verwaltungsgebäude, doch sie verirrte sich trotzdem, denn ein Stacheldrahtzaun versperrte ihr den Weg, so dass sie beschloss, durch das düstere Verwaltungsgebäude zu gehen.
Sie überlegte, ob sie Marie fragen sollte, aber das Foyer, wo sie vor wenigen Stunden angekommen war, lag jetzt ebenso verlassen da, wie der Tresen in der Schneiderei.
Sie ging daher weiter durch den leeren Gang, als sie in der Ferne eine Tür halboffen stehen sah. Vielleicht war dort jemand, den sie fragen konnte, überlegte sie und tatsächlich hörte sie leise Stimmen.
"... Fräulein Wien.", sagte eine strenge Männerstimme, die sie als die von Direktor Brandt erkannte, "Ich glaube nicht, dass ich dieses Verhalten toleriereren werde."
Jelena erstarrte als sie den Namen Wien hörte. Es musste dieses Mädchen aus der Turnhalle sein und dann hörte sie auch ihre Stimme.
"A-aber ich ... ich hab doch nur zugehört.", kam es erstaunlich kleinlaut für jemanden, der angeblich so weit oben in der Hierarchie der Schule stehen sollte.
"Tatsächlich?", fragte der Direktor leise, aber so deutlich betont, dass man ihn gerade noch verstand.
Jelena schlich jedoch neugierig noch ein Stück näher heran, so dass sie durch den schmalen Spalt zwischen Tür und Angel hindurchsehen konnte.
"Wirklich.", sagte Katharina jetzt und Jelena sah, wie sie nervös vor dem einen halben Kopf größeren Direktor stand, der mit dem Hintern gegen die Tischkante eines großen Schreibtisches gelehnt war, "Ich hab nichts gemacht."
"Sich vor 400 Schülern und Lehrern selbst zu befriedigen ist nichts?!", zischte Brandt jetzt wütend, "Das ist völlig inakzeptabel! Ausgerechnet du!"
Es gab einen Moment Schweigen und die junge Frau vor seinen Augen wurde rot.
"I-ich ... es tut mir Leid.", druckste sie verlegen heraus, "Ich weiß nicht, was über mich kam. Ich dachte, mich würde keiner sehen."
"Du weißt verdammt gut, dass dich jemand gesehen hat!", entfuhr es Brandt, "Die Neue hat alles mitgekriegt. Ausgerechnet eine von denen! Ich hab' den Ausdruck in ihrem Gesicht deutlich gesehen!"
Jelena glaubte sich verhört zu haben und klammerte ihren Beutel mit dem Schwimmzeug automatisch fester, blieb aber wo sie war.
"Die Kleine?", kam es nur etwas herablassend aus Katharinas Mund, "Sie wird nichts sagen ... sie saß da, wie ein scheues Reh nachts im Scheinwerferkegel."
Jelena stockte der Atem, wie gerade über sie geredet wurde. Es klang fast so, als ob das Problem hier sie wäre und sie wich einen Schritt zurück, dass die beiden aus ihrem Blickfeld verschwanden, aber noch hörbar waren.
"Und wenn doch!?", fragte Brandt sauer und man hörte ein dumpfes Klatschen und ein Ächzen, dass Jelena zusammenzucken ließ, "Der Punkt ist, sich ... nicht ... erwischen zu lassen. Man erwartet von dir, ein Mindestmaß an Selbstkontrolle aufzubringen. Ich erwarte mehr von dir. Deine Mutter erwartet mehr von dir. Haben wir uns verstanden?!"
Die große angeblich hier so weit oben stehende Katharina klang jetzt wie ein gemaßregeltes kleines Kind.
"Ja, Herr Brandt, ich werd' mich zusammenreißen."
Doch den letzten Satz hörte Jelena schon gar nicht mehr. Sie lief so schnell und leise wie möglich mit klopfendem Herzen, sich immer wieder ängstlich umblickend davon, wobei sie jedoch mit einem Mülleimer zusammenstieß, der unfassbar laut krachend über den Flur rollte.
Jelenas Augen wurden groß und sie begann zu rennen, hin zur Tür und hinaus, wobei sie bei einem letzten Rückblick noch Marie aus der Tür zu dem Computerraum hinter ihrem Schreibtisch herauskommen zu sehen glaubte.
Drinnen kam derweil Georg Brandt gefolgt von Katharina aus dem Büro heraus. Mit düster blickenden Augen sah er über den Gang und zu dem noch leise wackelnden Metalleimer.
"Ich dachte doch, ich hab was gehört.", sagte Katharina mit besorgtem Blick und schaute zum Foyer, wo man jetzt ratlos kopfschüttelnd Marie stehen sah.
"Was?! Warum hast du mir das nicht gesagt?", zischte Brandt.
"Ich dachte doch Marie ist vorne.", entfuhr es der Schülerin und sie wollte noch etwas sagen, doch was immer es war, es erstarb in einem Knall, als ihr der Direktor eine schallende Ohrfeige gab, die sie gegen die Wand fliegen ließ.
"Aauahh ...", stöhnte sie auf und hielt sich die rot anlaufende Wange, während Brandt hastig zu Marie eilte, die mit gesenktem Kopf einfach nur da stand.
"Wo warst du?", herrschte er die junge Brünette an, doch diese zuckte nur ängstlich mit den Schultern.
"Ich hatte mit dem Computer zu tun.", druckste sie und duckte sich ängstlich, als ob er sie gleich schlagen würde.
"Hast du gesehen wer es war?"
Marie nickte eingeschüchtert.
"I-ich glaub die Neue."




3. Schwimmhalle

Jelenas Herz schlug immer noch heftig als sie wenig später endlich an dem großen Gebäude der mitten im Wald gelegenen Schwimmhalle ankam. Es war eine beeindruckende Stahl und Glaskonstruktion, wie auch schon einige der anderen Gebäude und die Fünfzehnjährige fragte sich, woher das Geld für die ganzen Neubauten gekommen war.
Alles sah nicht viel älter aus, als ein paar Jahre, aber mehr noch beschäftigte sie das Ereignis mit dem Direktor und dieser Katharina. Was stimmte nicht mit dem Mann, dachte sie, doch schließlich schob sie den Gedanken beiseite und betrat das Gebäude.
In der Entfernung sah man einige Schüler in den dunkelblauen Schulbadeanzügen und ziemlich gewagt knappen Slips bei den Jungs durch eine Tür verschwinden, die offenbar zu den Becken führte.
Sie zuckte mit den Achseln und ging zu einer Art Glasbude, in der ein Junge in Schuluniform saß, der sie interessiert anschaute.
Sie erklärte ihm was sie wollte und trug sich für den Schwimmkurs ein. Dann wollte sie eigentlich wieder gehen, denn der Junge hatte ihr gesagt, dass entgegen dem was sie geglaubt hatte, doch schon Vorunterricht stattfand.
Aber als sie wieder gehen wollte, hörte sie jemand zu ihr herüberrufen.
Sie drehte sich um und sah eine gedrungene kräftige Frau mit harten Gesichtszügen und kurzen Haaren vor der Tür zur eigentlichen Schwimmhalle stehen.
"Wo bleibst du?", rief sie energisch mit rauer Stimme und blickte auf eine große Uhr an ihrem Arm, "Zuspätkommen tolerieren wir hier nicht!"
Jelena wäre am liebsten abgehauen, doch die strenge Enddreißigerin sah nicht aus wie jemand, mit dem man spaßen konnte und der Gedanke, es sich hier gerade vielleicht mit ihrer späteren Sportlehrerin zu verscherzen, gefiel ihr nicht sonderlich.
Sie atmete durch und ging zügig zu der Frau, die daraufhin durch die Tür in die Halle verschwand. Die mit ihrer Kennkarte zu öffnenden Umkleidekabinenen waren direkt in einen langen Quergang vor der Tür und es dauerte nicht lange und sie hatte eine leere gefunden.
Sie zog die Tür zu und begann sich zu entkleiden. Als sie bis auf die Kennkarte an dem Schlüsselband um ihren Hals nackt war, nahm sie den zweiteiligen Badeanzug aus ihrem Beutel. Sie hatte ihn in ihrem Zimmer nur kurz in der Hand gehalten, aber jetzt merkte sie das erste Mal, wie eng das ebenfalls in den Schulfarben gehaltene Höschen und Oberteil waren.
Es fühlte sich an wie eine zweite Haut, war jedoch elastisch genug, so dass es leicht anzulegen war. Alles saß tatsächlich wie eine zweite Haut. Absolut perfekt, wie alles, was sie bis jetzt in der Schneiderei bekommen hatte.
Man konnte fast vergessen, dass man überhaupt etwas trug und außerdem sah sie ihre Nippel durch den zwar blickdichten, aber relativ dünnen Stoff hindurchdrücken.
Und genau darüber war das Schullogo und ihr Name, sowie die olbigatorische Nummer aufgedruckt.
Die Schülerin wurde rot, aber sie wollte sich keinen Ärger einhandeln und schlüpfte in ihre Flipflops und verließ mit ihrem Handtuch und der Seife die Umkleidekabine.
Sie ging hinüber, wo sie die Duschkabinen ausgezeichnet sah und nur etwas später ging sie frisch geduscht in die Schwimmhalle.
Die Halle war wirklich ein architektonisches Wunder. Ein riesiges Becken in olympischer Größe mit kristallblauem Wasser breitete sich vor ihr aus und Jelena konnte nicht anders als zu staunen. Sie wusste, dass die gesamte Konstruktion nicht älter als drei Jahre alt war und alles roch sogar neu.
Sie sah derweil eine Anzahl von Schülern in ihrem Alter, die bereits im Wasser schwammen, während die Frau mit den strengen Gesichtszügen an der Beckenkante stand.
"Schön, dass sie auch kommen konnten, Frau Herrmann.", sagte sie zynisch und Jelena fragte sich, woher sie ihren Namen kannte.
"Ich ... ich hab' mich verlaufen.", entschuldigte sie sich jedoch einfach, da sie nicht fand, dass jetzt der richtige Zeitpunkt war, um das Mißverständnis aufzuklären.
Sie hasste Mißverständnisse.
"Wie auch immer.", sagte die Frau in ihrer rauen unangenehmen Stimme, "Ich bin Frau Krohn, die Schwimmtrainerin. Und es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dich in die Nähe von Wasser begeben kannst, ohne zu ertrinken oder mich zu beschämen. Ich gehe davon, dass du grundsätzlich schwimmen kannst, also spring rein und schwimm ein paar Bahnen Brust. Dann sehen wir weiter."




Als Trainerin Krohn sie endlich entließ, fühlte sich Jelena als ob sie am ganzen Körper Muskelzerrungen hatte. Sie spürte Muskeln, von denen sie gar nicht geglaubt hatte, dass sie sie überhaupt haben würde und sie kletterte erschöpft aus dem Wasser, um sich abzutrocknen.
Allen schien es ähnlich zugehen und kaum jemand redete, außer wenn einige Mädchen zu den ein paar Meter entfernten Jungs hinübergrinsten.
Es war etwas peinlich, wie die Jungs herüber schauten, doch Jelena fühlte sich gut in dem Zweiteiler. Er war zwar elegant geschnitten, aber nicht freizügig, so dass sie nicht das Bedürfnis verspürte, sich ständig zu bedecken, während die knappen Badeslips der Jungs dagegen viel deutlicher zeigten, was einige von ihnen zwischen den Beinen hängen hatte.
Es war besser als bei den idiotischen knielangen Shortsbadehosen, die sonst so in Mode waren, dachte die Fünfzehnjährige und verkniff sich ein Kichern. Es war das erste Mal, dass sie sich wirklich gut fühlte seit sie hier war.




Nachdem Jelena wieder in ihr leeres Quartier zurückgekehrt war, verbrachte sie einige Zeit damit, ihre Sachen einzuräumen. Die Konstruktions des Zimmers mit dem offenen WC und Badteil, der nur durch eine Glasscheibe abgetrennt war, irritierte sie immer noch etwas.
Und auch die Sache mit Direktor Brandt und dieser Katharina ging ihr nicht aus dem Kopf. Aber schließlich legte sie sich müde vom Schwimmen geworden hin, als nach wenigen Minuten jedoch Alexandra zurückkam.
"Hey.", sagte sie lachend und setzt sich vergnügt auf ihr Bett, "Was hört man von dir, du bist Schauspielerin?"
Jelena drehte sich auf die Seite zu Alex und nickte schwach.
"Ist das schon Schultratsch?", fragte sie dann, doch Alex schaute nur komisch.
"Wieso Tratsch? Das ist doch interessant, dass wir jemand wie dich hier haben."
"Boahhh, jemand wie mich.", echote Jelena amüsiert und grinste, "Schauspieler bei Schloss Einstein ist doch nichts besonderes."
Alex zuckte mit den Schultern und schwieg einen Moment.
"Wie ist es denn so?"
"Hm.", machte Jelena, "Es ist oft stressig wegen dem ganzen Text lernen und so weiter, aber der Spaß am Set ist umso größer. Hast du's mal gesehen?"
"Nein, ich fand das immer albern."
Die beiden lachten.
"Ich auch. Aber man lernt auch coole Leute kennen, wie Josefine Preuß zum Beispiel. Die ist echt super."
"War sie auch mal Einsteinmädchen."
"Ja, am Anfang, aber ich hab' sie erst später kennengelernt.", sagte Jelena und wurde auf einmal ernst, "Aber sag' mal, kennst du eigentlich Katharina Wien?"
"Unser ultraangesagtes Oberpartygirl? Sie ist in der K13 und ich kenn sie nur vom sehen. Ist auch nicht meine Kragenweite. Wieso?"
Jelena überlegte, ob sie Alex von dem Ereignis in der Turnhalle und im Verwaltungsgebäude erzählen sollte, doch sie wollte nicht zu genau werden.
"Wir haben uns vor der Turnhalle getroffen und ich glaub', sie kannte mich."
"Vielleicht vom Fernsehen."
Jelena nickte. Wahrscheinlich war das die Ursache und sie fühlte sich gleich etwas besser und schalt sich, dass sie nicht gleich daran gedacht hatte. Sie begann zu lachen.
"Was haben wir eigentlich morgen?"
"Deutsch, Musik und Geo. Und dein Kursfach. Dienstag ist immer Kurstag."
Jelena richtete sich auf und nickte. Deutsch und Musik waren ihre Lieblingsfächer, aber Geo war ihr Hassfach.
"Klingt bis auf Geo ganz gut.", sagte sie nachdenklich und blickte aus dem Fenster.
"Magst du Geo nicht?"
"Nee.", lachte Jelena, "Total nicht. Und du?"
Die andere zuckte mit den Schultern.
"Geo ist mir egal.", sagte sie, "Aber Musik mag ich und Bio und Kunst. Ich hasse Mathe, Physik und Chemie eigentlich alle naturwissenschaftlichen Fächer."
"Na das sind ja einige.", sagte Jelena und grinste, "Bist du dir sicher, dass du hier richtig bist?"
"Hm, keine Ahnung. Es gibt immer genug zu essen und zu trinken. Und seit ich hier bin, nutze ich meine Zeit sinnvoller."
"Wow, wie selbstkritisch."
Alex lachte auf und strich sich nachdenklich durch ihre langen braunen Locken.
"Manchmal schon. Besonders wenn man hier in dieser abgefuckten Eliteanstalt mit den ganzen verwöhnten Streberkindern abhängen muss."
"Die machen viel, ohne dass sie es müssten, oder?"
Alex nickte.
"Ja, wieso?"
"Ich bin voll in Frau Krohns Zusatzschwimmunterricht reingerutscht.", erzählte Jelena und grinste, "Ich dachte, dass morgen erst alles losgeht. Mir tut jetzt noch alles weh."
Alex lachte.
"Deswegen bist du so müde.", sagte sie mitleidig, "Ich hab mich schon gewundert. Und ja, sie kann echt fies sein, hab ich gehört."
"Pahh.", machte Jelena demonstrativ und erinnerte sich an die letzten Worte ihrer Mutter beim Abschied, "Wenn sie mir blöd kommt, ruf ich meinen Anwalt an."
"Deine Mom?", fragte Alex und Jelena nickte breit grinsend.
"Jepp.", sagte sie und griff nach ihrem Handy, "Sie ist Anwältin."
"Na viel Spaß mit dem Ding.", sagte Alex jedoch nur, "Aber die funktionieren hier nicht."
Der Fünfzehnjährigen fiel wieder ein, was Marie beim Anmelden gesagt hatte. Keine Handys und elektronischen Geräte.
"Wieso?", entfuhr es ihr jedoch und sie schaute auf ihr Handy, dessen kleiner Bildschirm tatsächlich keinen Empfang anzeigte.
Sie sprang auf und lief durch das Zimmer, aber der Verbindungsbalken zeigte weiterhin kein Netz.
"Weil sie's blocken oder so.", erklärte Alex grinsend, "Wir sollen nicht abgelenkt werden. Steht alles in dem Flyer. Darum gibt's Computer und Internet auch nur im Computerraum hinten oder in den Klassenräumen."
Jelena konnte es nicht fassen. Sie hatte die Worte von Marie nicht vergessen, aber sie hatte nicht gedacht, dass die Leute hier so restriktiv waren und diese Regel auch tatsächlich durchsetzten.
"Das ist doch irre.", sagte Jelena und schüttelte den Kopf, "Das ... Das können die doch nicht machen."
"Komm wieder runter, Kleines.", sagte Alex nur schulterzuckend, "Man gewöhnt sich dran."
Jelena wollte sich nicht daran gewöhnen. Sie hatte vielleicht nicht so viele Freunde, aber ohne eigenes Telefon zu sein, erschien ihr unvorstellbar.
"Ja und wenn ich mal telefonieren muss?!", entfuhr es ihr.
"Dann telefonierst du eben. Die haben hier Internettelefonie über die Computer."
"Aber ich will in Ruhe telefonieren. Wo keiner es mitkriegt!"
"Tut mir Leid.", sagte Alex, "Aber so ist das hier nun mal. Ich meine, du kannst ja nach einer Sondergenehmigung fragen. Aber lass sie nicht dein Handy und den MP3-Player sehen, sonst kriegst du Strafpunkte, weil du's nicht vorne abgegeben hast."
Es wurde immer besser, dachte Jelena unglücklich und tat das Handy in die Schublade ihres Nachttischchens. Das Frau Jansen es vielleicht über die Kamera sehen würde, fehlte ihr gerade noch.
Und sie hatte gerade die Schublade verschlossen, als der Beamer auf einmal tatsächlich anging und das Bild eines Mannes in weißer Uniform auf die Glasplatte projizierte.
Nach einer anfänglichen Schrecksekunde stellte er sich lediglich jedoch als der Chefkoch des Internats heraus, der sie nur darüber informierte, dass es in einer Stunde Essen in der Cafeteria geben würde.
Frustriert erhob sich Jelena von ihrem Bett, um in diesem Computerraum zum telefonieren zu gehen. Anscheinend war das hier heute ihr letzter freier Tag, dachte sie sauer und verschwand mit einem ärgerlichen Seitenblick zu Alex aus dem Zimmer.




Das Telefonat über den Computer und ein Headset mit Mikrofon mit ihren Eltern im Computerraum war technisch gesehen problemlos verlaufen, doch natürlich war das Gespräch nicht frei von Spannungen geblieben.
Jelena fühlte sich hintergangen und deswegen war das Telefonat eher als sie geplant hatte, zu Ende gewesen. Unzufrieden war sie zurückgekehrt, wo Alex bereits auf sie wartete, um ihr mitzuteilen, dass ein Mädchen aus der K12 eine kleine Party auf ihrem Zimmer geben würde.
Alex hatte nicht vorgehabt mitzugehen und sich lieber noch durch die Flyer von Frau Jansen mit den Schulregeln arbeiten wollen, doch Alex hatte darauf bestanden, dass Jelena sich nicht zum Außenseiter machte.
So war sie schließlich mitgegangen und da sie Mädchenabende, rumalbern und Süßigkeiten eigentlich auch mochte war es tatsächlich ganz nett gewesen.
Es hatte sich auch herumgesprochen, dass sie Schauspielerin bei Schloß Einstein gewesen war und obwohl die meisten die Serie nie gesehen hatten und nur ein Mädchen sie tatsächlich dort erkannt hatte, fanden es alle irgendwie cool und Jelena musste viel erzählen.
Aber irgendwann wurde es ihr dann doch zuviel, denn auch wenn es wegen der Schulregeln keinen Alkoholauf dem Schulgelände gab, gestaltete sich die ganze Sache je später es wurde, immer hemmungsloser.
Erst war eine Schülerin mit dem einzigen anwesenden Jungen verschwunden und später hatten sich zwei Mädchen mit orangenen Halstüchern in eine Ecke des dafür eigentlich viel zu kleinen Zimmers verzogen und hemmungslos zu küssen begonnen.
Grundsätzlich hatte Jelena kein Problem damit, aber die als die beiden schließlich mit ihren Händen immer wilder über ihre schönen Körper gefahren waren, war Jelena immer verlegener geworden.
An ihrer alten Schule gab es auch zwei oder drei lesbische Mädchen, aber die blieben unter sich und zeigten es kaum, um sich nicht dem Spot auszusetzen.
Hier dagegen schien es überhaupt keinen zu irritieren, außer Jelena.
Es wurde etwas zu viel für das zurückhaltende Mädchen und als sie bemerkte, wie die eine, eine Blonde mit großem Busen, der anderen, ihre Hand langsam unter den Rock schob und sie offensichtlich zu fingern begann, hatte sie sich mit Müdigkeit entschuldigt und war gegangen.
Das war nicht einmal gelogen. Die fünfzehnjährige war todmüde und schläfrig über den jetzt leeren Gang getrottet, als sie plötzlich dieses leise Stöhnen aus dem Aufenthaltsraum der zweiten Etage gehört hatte. Der jungen Schülerin war sofort klar gewesen, was es war, aber ihren schnell gefassten Vorsatz bloß nicht in den türlosen Raum, den sie passieren musste, hineinzusehen, schaffte sie nicht durchzuhalten.
Sie blickte hinein und sah den schlanken Rücken des mit freiem Oberkörper dastehenden Jungen von der Party, der sich offensichtlich über das leise keuchende Mädchen herüberbeugte, welches mit weit gespreizten nackten Beinen rücklings auf der Tischtennisplatte lag.
Es war das erste Mal, dass Jelena Menschen beim Sex nicht nur hörte, wie bei ihren Eltern, sondern es auch sah und der Anblick der leicht wippenden schlanken Beine des Mädchens und der zitternden weißen Pobacken des Jungen, während er rhythmisch seinen nackten Unterleib gegen ihren Schritt presste, brannte sich in ihren jungen Verstand.
Es waren dabei nur Sekunden, bis sie an der Tür vorbei war, aber das Bild blieb auch, als sie endlich in ihrem Zimmer angekommen war. Schließlich verdrängte sie es jedoch und war, froh darüber allein zu sein, nur noch schnell noch auf die ja nicht abschließbare und ihr furchtbar offen vorkommende Toilette gegangen.
Danach hatte sie eine kurze Katzenwäsche vorgenommen und war in ihr Bett gefallen und auch recht bald eingeschlafen.
Doch irgenwann später wurde sie geweckt. Schläfrig räkelte sie sich in ihrem Bett und sah Licht durch die leicht beschlagene Glaswand des Badbereichs fallen.
Man hörte Wasser prasseln und dann sah sie auch Alex' nackten Körper unter der Dusche, nur durch die Milchglasstreifen etwas verhüllt.
Sie seifte sich dort gründlich ab und Jelena wurde verlegen, war aber schlagartig wach. Zudem hatte sie einen Moment lang wieder diesen komischen aromatisch-süßlichen Geruch, den sie schon im Verwaltungsgebäude und der Schneiderei wahrgenommen hatte, in ihrer Nase.
Es verflog zwar gleich wieder, aber trotzdem war es nicht zu ignorieren und Jelena ertappte sich dabei, wie sie Alex nackten Körper anstarrte.
Sie hatte eine tolle Figur, doch Jelena riß sich, verlegen über sich selbst, von dem Anblick los und versuchte wieder einzuschlafen. Doch sie konnte einfach nicht und blieb wach.
Alex schien derweil fertig zu sein, denn das Wasser ging aus und man hörte, wie sie sich abtrocknete und mit nassen Füßen durch das Bad tappste.
Offensichtlich zur Toilette, denn man hörte jetzt den Deckel und schließlich den scharfen Strahl ihres Urins und dazu ein erleichtertes Seufzen und dann ein Kichern.
Danach hörte man den Deckel fallen und wie sich Alex die Hände wusch. Danach kam sie aus dem Bad und legte sich mit einem leisen Ächzen in ihr Bett.
Jelena wurde im Dunkeln knallrot, denn sie hatte bei einem kurzen Blinzeln gesehen, dass Alex splitternackt war.
Sie schloß erneut schnell die Augen und hielt still, bis Alex plötzlich zu kichern begann.
"Jellie?", fragte sie dann und man hörte, wie sie sich zu ihrer neuen Zimmernachbarin umdrehte.
Jelena erstarrte, antwortete aber nicht, doch ihre Mitbewohnerin ließ nicht locker.
"Jellie.", sagte sie offensichtlich grinsend und richtete sich auf, "Ich weiß, dass du nicht schläfst. Schlafende atmen normal, aber du atmest nicht."
Jelena wurde noch röter und versuchte weiter zu still zuhalten. Wenn sie jetzt aufgab, würde sie auffliegen, doch Alex begann zu lachen.
"Pass auf, dass du nicht erstickst.", sagte sie kichernd und Jelena spürte plötzlich eine sanften Stubs gegen ihr Bein.
Wenn die Betten bloß nicht so dicht stehen würden, dachte sie kläglich und gab ein mißmutiges Geräusch von sich.
"Was?", entfuhr es ihr ärgerlich, "Ich will schlafen."
"Ich wollte nur wissen, ob es dir gut geht.", sagte Alex fürsorglich, "Du bist einfach abgehauen."
Jelena verdrehte im Dunkeln die Augen.
"Ich war müde."
Alex gab ein zustimmendes Geräusch von sich.
"Hm, ich dachte, es war wegen Henrieke und ihrer Freundin."
Jelena wusste sofort, wen Alex meinte, doch sie tat ahnungslos.
"Wer?"
Alex kicherte.
"Henrieke Fritz.", sagte sie spöttisch, "Aus der K11. Die Schauspielerin werden will. Du hast doch mit ihr geredet."
"Sie wollte Ärztin werden.", stöhnte Jelena etwas genervt, doch Alex ignorierte es.
"Schauspielerin oder Ärztin.", lachte sie, "Aber schön, dass du dich doch erinnerst."
Natürlich erinnerte sich Jelena. Henrieke hatte neben ihr gesessen, als diese plötzlich, fast mitten im Gespräch, angefangen hatte, mit dem Mädchen neben ihr rumzumachen.
"Ja, ok, tue ich.", entfuhr es ihr, "Na und?"
Alex schien kurz etwas beleidigt, doch dann grinst sie wieder.
"Findst du sie hübsch?"
Jelena war irritiert über die Frage. Henrieke war sehr hübsch. Eigentlich ein totaler Männertraum mit ihren blauen Augen und dem langen blonden gewellten Haaren, die ihr wunderschönes Puppengesicht mit der hohen Stirn einrahmten, doch sie verstand die Frage nicht.
"Ja.", sagte sie dann, "Na und?"
"Ich find sie auch hübsch.", sagte Alex plötzlich für ihren Charakter ungewohnt nachdenklich, "Sie ist süß."
"Kann ich nicht beurteilen.", murmelte Jelena, "Magst du sie etwa?"
Man hörte ein zustimmendes Geräusch von Alex.
"Hast du mal darüber nachgedacht, wie es mit einem Mädchen ist?"
Jelena war etwas geschockt. Sie hatte noch nicht mal einen Freund gehabt und war ganz sicher nicht lesbisch.
"Nein.", sagte sie knapp, "Hab' ich nicht. Du etwa?"
Man hörte Alex rascheln.
"Irgendwie, ja.", sagte sie immer noch nachdenklich, "Früher nicht, aber seit ich hier bin, frag' ich mich das. Komisch, oder?"
Na toll, dachte Jelena. Alex war erst ein paar Wochen hier und war anscheinend bisexuell geworden. Vielleicht wenig überraschend, wo hier so wenig Jungs waren, kaum mehr als ein Drittel und gleichzeitig so viele hübsche Mädchen. Trotzdem fand Jelena es merkwürdig und fragte sich, wie sie es hier vier Jahre mit einer verkappten Lesbe aushalten sollte und hätte das Gespräch am liebsten beendet, wusste aber nicht wie, ohne als gehemmt auszusehen.
"Weiß ich nicht.", sagte sie darum nur.
Eine Weile war Schweigen und Jelena hoffte bereits, dass Ruhe wäre, doch dann räusperte sich Alex noch einmal.
"Magst du Kuscheln?"
Jelena schluckte etwas geschockt. Dann drehte sich einfach nur von ihrer Mitbewohnerin weg und sagte etwas unverständliches, als wenn sie Alex' Worte nicht richtig mitgekriegt hätte. Das ging wirklich zu weit, dachte sie jedoch und zog sich das Kissen über den Kopf. Und wenige Minuten später war sie eingeschlafen.




Das peinlichste geschah jedoch am nächsten Morgen, als Jelena gegen viertel Acht von einem zuerst undefinierbaren Geräusch geweckt wurde.
Einem leisen Rascheln des Bettzeugs oder des Lakens, was einfach nicht aufhören wollte und im Verlauf immer heftiger und lauter wurde. Halbwach lauschte Jelena stumm, was es war, doch als sich ein leises unterdrücktes und schweratmiges Stöhnen darunter mischte, begriff sie geschockt.
Alex masturbierte sich. Immer lauter stöhnte ihre Mitbewohnerin dabei und Jelena hörte unglücklich, dieses typische leicht feucht-glitschende Geräusch.
Es war einfach nur zum fremdschämen und Jelena spürte, wie sie feuerrot wurde und buchstäblich den Atem anhielt, bis ein leiser langezogener Seufzer ihr endlich signalisierte, dass es vorbei war.
Jelena wartete noch einige Minuten, aber dann sprang sie auf und rannte, ohne ihre nackte, nur halb mit der dünnen Bettdecke bedeckte und versonnen grinsend da liegende Zimmergenossin zu würdigen ins Bad.




4. Der erste Tag

Jelena hatte sich schon den ganzen Tag darauf gefreut und endlich kam der für heute letzte 90minütige Block. Der ihres Wahlfaches.
Und sie hatte sogar auf Anhieb den richtigen Klassenraum gefunden, in dem etwa zwanzig Mädchen und Jungs zwischen vielleicht 14 und 18 saßen.
Eine Durchmischung, die für Jelena zuerst noch etwas ungewohnt gewesen war, doch inzwischen hatte sie sich an das System der Schule, die Schüler nach ihren Fähigkeiten zusammenzusetzen gewöhnt.
Woran sie sich jedoch nocht nicht gewöhnt hatte, war dass sie sich mit ihrem grünen Halstuch stets etwas minderwertig vorkam, obwohl nur wenige, sie dies tatsächlich auch spüren ließen.
Doch warum sollte man schlafende Hunde wecken, dachte sich Jelena und setzte sich auf einen freien Platz im hinteren Drittel des hellen geräumigen und modern eingerichteten Raumes.
Ein Lehrer schien noch nicht da zu sein und so stützte die Fünfzehnjährige ihr Kinn auf ihre Hände und schaute sich leise um, ob sie jemand kannte.
Doch die einzige, die erkannte, war Viktorias Cheerleaderschwester Sophie, deren Namensschild ihren Nachnamen als Imelmann auswies. Jelena wunderte sich dabei etwas, was Sophie in diesem Kurs, der eigentlich ein Journalismuskurs war, suchte.
Denn so wie sie daherredete, schien sie im Vergleich zu ihrer viel ernsteren Halbschwester nicht besonders an intelligenten und tiefgründigen Recherchen interessiert zu sein.
Und auch jetzt schien sich ihre Gedankenwelt nur um eines zu drehen. Jungs und Tratsch, den die dunkelblonde Schönheit gerade unter ein paar, wißbegierig an ihren Lippen hängende, Mädchen brachte.
"... ich meine, woher sollte ich es wissen.", hörte man ihre hellen Stimme durch den Raum dringen, während sie dabei wild mit den Armen gestikulierte, "Sie ist wie eine Eisprinzessin. Sie redete und redete und sezierte ihre Gefühle für eine Beziehung, so wie wir in Bio diesen Frosch seziert haben. So krank! Und Kevin sah so heiß aus in seinem Shirt ... ich musste es einfach anfassen. Und er dann so, wenn du es magst, solltest du's mal anprobieren und ich dann so, ich hab schon ein Shirt und weißt du, was er tut ... er zieht es einfach aus und sagt dann so, das hier ist besser. Und ich nur so für mich, wow, er ist total gerippt.
Ihre Groupies nickten eifrig und grinsten, während Sophie begeistert aufseufzte und weiterredete.
"Jedenfalls ich dann so, dreh dich mal um und als er es macht, zieh ich meins aus und seins an. Und Viktoria ist voll am Durchdrehen, du Schlampe und so. Ich meine, ich hatte immer noch meinen BH an, unsere Badeanzüge bedecken weniger, aber wie auch immer, Kevin und ich haben uns ein paar mal getroffen, aber sie ist immer noch so, als ob ich ihr Kevin gestohlen hätte oder so. Als wenn er seine Zeit mit jemand mit so einer Pickelfresse verschwenden würde."
Eines der anderen Mädchen lachte.
"Kleine Schwestern sind voll ätzend, was?"
"Halbschwester bitte.", korrigierte Sophie lachend und nickte, "Es ist das totale Drama."
Die andere lachte ebenfalls, wurde dann aber ernst und beugte sich etwas zu den anderen vor.
"Aber wisst ihr, wer eine totale Schlampe ist?", fragte sie, "Alexandra Schiller!"
"Ihhhh.", machte eines der Mädchen, "Das ist doch eine von den Neuen."
"Ja, die immer so nuttig gestylt rumrennt.", sagte das Mädchen, dass Alex als Schlampe bezeichnet hatte, mit gespieltem Entsetzen, "Und heute hatte sie im Unterricht einen schwarzen BH. Lisa hat's mir erzählt, du hast es voll durch die weiße Bluse durchgesehen."
Die anderen erregten sich in gespieltem Entsetzen, wobei Jelena nur leise und ägerlich den Kopf schüttelte. Alex war sicher etwas offenherzig und vielleicht auf freizügig, aber sie war keine Schlampe, wie diese oberflächlichen dummen Kühe behaupteten.
Die anderen ereiferten sich derweil noch weiter.
"Die Lehrer waren voll sauer, aber was sollten sie machen, außer auf die Vorschriften verweisen."

Diese Vorschriften, keine provokante, sichtbare Unterwäsche unter der Schulkleidung zu tragen, gab es tatsächlich. Es stand auch in den Flyern, die Frau Jansen ihr gegeben hatte, aber Jelena hatte es, da es sie nicht weiter betraf, nicht wirklich ernst genommen.
Die Fünfzehnjährige fragte sich, ob sie einen BH hatte, der den Vorschriften widersprach, als plötzlich der Blitz eines Fotoapparates sie blendete. Sie erschrak so sehr, dass ihr Kinn von den aufgestützten Händen klappte und sie Mühe hatte, nicht auf den Tisch zu knallen.
Sie schaute sich um und sah einen attraktiven Jungen in ihrem Alter mit einem Fotoapparat, der sie mit einem sympathischen Grinsen anblicke. Sie schaute verwirrt zu ihm herüber, doch auch die lästernde Mädchengruppe blickte jetzt herüber.
"Das ist für deinen Führerschein.", witzelte er verlegen und lächelte, "Das nächste wird besser. Versprochen."
Jelena errötete und wandte sich, in der Hoffnung, dass er gehen würde ein Stück ab.
"I-ist das wirklich nötig?", stammelte sie und fuhr sich instinktiv durch das Haar.
"Hey Oliver, was soll das.", mischte sich auch Sopie vorwurfsvoll ein, obwohl es nicht so klang, als ob sie sich dabei um Jelena kümmerte.
Der so angesprochene schaute zu ihr herüber.
"Naja, das ist Jelena und das hier ist der Journalismuskurs und sie wird naja Redakteurin bei der Schülerzeitung, da brauch' ich ein Profilbild."
Sein Sarkasmus schien Sophie nicht zu treffen und Jelena wurde rot bei seinen Worten, doch die Anführerin der Cheerleader grinste nur.
"Oh, du bis das neue Mädchen.", tat sie scheißfreundlich, als ob sie Jelena das erste Mal sehen würde, "Aber geschrieben und so hast du doch nichts, oder? Aber du schreibt jetzt, oder wie?"
Jelena wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte keine Lust, sich gleich am ersten Tag mit der arroganten Kuh anzulegen und sie beherrschte sich, auch wenn es hart war.
"Ich will mal Publizistik studieren.", sagte sie, obwohl das eigentlich nicht stimmte und sie sich immer noch fragte, was jemand wie Sophie vom Schreiben verstand.
Sie wollte Grundschullehrerin werden, aber das ging die blöden Kühe ja nichts an. Trotzdem klang ihre Antwort so gekünstelt, dass einige der Mädchen amüsiert ihre Augen verdrehten.
Zum Glück kam jetzt eine weitere Person herein. Ein großer muskulöser solariumgebräunter Junge mit schwarzgefärbtem Haar und irgendwie wusste Jelena gleich, dass es dieser Kevin war.
"Hey.", sagte er selbstbewusst zu Sophie, "Was geht?"
Er trat zu ihr herüber und griff sie um die Hüfte und küsste sie auf dem Mund, in einer Weise, die Jelena etwas zu aufdringlich fand. Kevin drehte sich zu ihr um.
"Hey, neues Mädchen.", sagte er wie ein Idiot, als ob er nur zwei Meter von ihr entfernt, ihren Namen auf dem Schuljacket nicht lesen konnte.
Sie grinste trotzdem etwas.
"Hi.", stellte sie sich vor, "Jelena Herrmann."
"Jelena wird irgendwie bei uns schreiben oder so.", sagte Sophie derweil überflüssigerweise, "Aber sie hat noch nicht. Sie ist neu und so."
Kevin schaute grinsend zu Jelena herab, direkt als auch im übertragenen Sinne.
"Sieht nicht wie eine große Bereicherung aus, Ollie.", sagte er dann, "Spar dir den Film, Kumpel."
"Kümmer dich um dich selber Kev!", entfuhr es Oliver zu Jelenas und offenkundig auch Kevins Überraschung wütend.
Sein Gesichtsausdruck wurde kalt und er starrte Oliver an. Jelena begriff, dass sie kurz davor waren sich anzuspringen. Auch Sophie merkte es und sagte etwas zu Kevin, doch er schob sie nur beiseite, dass Jelena meinte keine Wahl mehr zu haben. Sie erhob sich ebenfalls und schob, wie unbeabsichtigt ihre Schokomilch über die Tischkante.
Genau auf Sophies Rock. Sie schrie auf und begann auf Jelena einzuschimpfen, als plötzlich eine kleine dunkelblonde Frau in für den Campus ungewöhnlich legerer Kleidung in der Tür stand. Eine erkennbar neue Asilidakennkarte hing von ihrem Gürtel und sie schien noch nichts von dem Dresscode hier gehört zu haben. Davon abgesehen sah sie auch nicht aus, wie die blonde ernste Mitdreißigern auf dem Poster vor der Tür, dass das Lehrpersonal zeigte.
Die Frau wippte derweil fröhlich auf und ab und rieb sich die Hände.
"Hallo Klasse.", rief sie mit einem amüsierten Seitenblick zu Sophie, die nur mit dem Kopf schüttelte und, Kevin hinter sich herziehend, zur Toilette stürmte.
Oliver grinste zu Jelena herüber.
"Sie ist der dümmste intelligenteste Mensch, den ich kenne.", sagte er, blickte aber dann fragend zu der Frau, die jetzt nach vorne zum Lehrerpult lief und dann zu der Klasse strahlte.
"Ich heiße Lily Franke und so wie es aussieht, bin ich dieses Jahr eure Lehrerin.", sagte sie und grinste schulterzuckend, "Tut mir leid, dass es so überraschend kam, aber Frau Petersen hatte offenkundig kurzfristig andere Verpflichtungen."
Sie wirkte jungenhaft und Jelena mochte sie sofort, aber ein ein paar von Sophies Groupies schienen sie sofort testen zu wollen.
"Können wir sie Lily nennen?", fragte eine Blonde schnippisch, doch die Lehrerin lachte nur.
"Ich würde Frau Franke vorziehen.", sagte sie und wurde mit weiteren Fragen bombardiert, die sie jedoch mit Humor souverän meisterte, obwohl einige sie offensichtlich nervten.
Sie erzählte dann, dass sie schon früher hier unterrichtet hatte, als Asilida die Schule noch nicht übernommen hatte, dann aber entlassen, vor zwei Tagen jedoch wieder eingestellt worden war, weil irgendetwas mit der eigentlich vorgesehenen Lehrerin, Frau Petersen, war. Lily Franke wusste jedoch nicht was und so erstarb das Interesse schließlich.
Frau Franke blickte zu Jelena und schien auf ihr Namensschild zu blicken, dann schaute sie auf ihre Klassenliste.
"Willkommen Jelena.", sagte sie fröhlich und Jelena musste einfach mitgrinsen, "Sieht aus, als wenn ich nicht die einzige wäre, die hier neu anfängt. Frau Petersen hatte schon etwas für dich vorbereitet, aber ich komme gleich drauf."
Sie stützte sich mit beiden Händen auf das Lehrerpult und hievte sich lachend mit dem Po darauf.
Sie blickte auf einen mitgebrachten Notizzettel und begann zu reden.
Über die verschiedenen Projekte, die Berichterstattung über die Übergangsphase, das Jahrbuch, den Newsletter, die Schülerzeitung und ähnliches. Sie fragte, wer das Jahrbuch machte und es stellte sich heraus, dass es Sophie war, die immer noch nicht wieder zurückgekehrt war.
"Klingt toll.", sagte Oliver leise, der sich neben Jelena gesetzt hatte, "In Wahrheit macht sie nichts weiter, als die Bilder zu sortieren."
Die beiden grinsten und Jelena merkte, dass Frau Franke ebenfalls zu ihr herüberlächelte. Jelena und Oliver waren die einzigen gewesen, die keine bescheuerten Franken, ala, wie viele Orgasmen hatten sie schon, gefragt hatten und Jelena sah ein paar niedliche Grübchen in ihrem Mundwinkeln entstehen.
Wenigstens ein Lichtblick hier, dachte Jelena und seufzte leise, als Frau Franke plötzlich ihren Namen rief.
"Ja?"
"Hier steht, du wirst Redakteurin bei der Schülerzeitung.", sagte Frau Franke und es klang anerkennend, so dass Jelena ein bisschen verlegen wurde.
Sie nickte und wurde rot. Einige der Mädchen kicherten, doch Frau Franke wischte es beseite
"Du hast jemand anscheinend sehr beeindruckt.", sagte sie, "Direktor Brandt hat dich empfohlen und angeregt, dass du über die Übergangsphase der Schule unter dem neuen Träger schreibst. Wie wäre das?"
"T-toll.", stotterte Jelena, "Aber sind sie sicher?"
Es klang großartig, aber was meinte sie mit beeindruckt. Sie hatte an ihrer alten Schule einen wütenden Artikel über Mobbing und Stalking geschrieben, der Grund warum sie hier war, aber davon konnten die hier unmöglich wissen.
Doch Frau Franke nickte nur lachend.
"Ja, und Direktor Brandt ist der Meinung, dass du als einzige Neue hier eine neue Perspektive mitbringst, die noch nicht von einigen Jahren hier gefärbt ist."
Sie nickte freundlich und wandte sich wieder der Klasse zu. Sie wollte für den Anfang nur ein harmloses Projekt zum warmwerden und sagte, dass heute jeder nur einen kleinen Artikel über sein Lieblingsthema schreiben solle.
Wie Jelena mitkriegte, schrieben die meisten Mädchen über Mode und Jungs, doch ihr selbst wollte nichts einfallen. Sie merkte jedoch, dass Frau Franke jedesmal, wenn ein so kitschiges Thema vorgestellt wurde, kaum merklich den Mund verzog und Jelena konnte nicht anders, als ihr verschwörerisch zuzugrinsen.
Die restliche Stunde verlief schneller als gedacht und zum Glück kam Jelena nicht mehr dran, denn der Artikel über Musik, denn sie dann noch angefangen hatte, war weit davon entfernt, fertig zu sein.
Sie war daher recht froh, dass die Stunde vorbei war, obwohl Frau Franke mit ihrer lustigen Art, es irgendwie geschafft hatte, dass sich Jelena nicht mehr ganz so fremd fühlte. Abgesehen davon, wollte sie Frau Franke noch etwas fragen.
"Frau Franke ...", begann sie.
"Lily.", sagte sie mit fröhlich strahlenden grünen Augen, "Was gibt's denn?"
"Hm.", druckste Jelena, "Ich weiß nicht, ob die Aufgabe zu viel für mich ist. Ich weiß nicht, womit ich sie beeindruckt habe, aber ..."
"Nicht doch.", sagte die Lehrerin und wurde wieder etwas ernster, "Du wirst deine Aufgabe hier wunderbar ausführen. Direktor Brandt gab mir den erstklassigen Artikel, den du an deiner alten Schule gelesen hast und ich wollte dir sagen, dass es mir Leid tut. Das war bestimmt eine schlimme Geschichte und ich wollte dir nur sagen, wenn du Probleme hast und vielleicht nicht gleich zu Doktor Rogall damit willst, kannst du gerne mit mir darüber reden."
Jelena nickte stumm. Sie hatten es also gelesen. Das hieß, dass sie auch wussten, dass ihr letztes Schuljahr die Hölle gewesen war. Überall hin hatte sie dieser Typ verfolgt ...
"Danke.", sagte sie leise.
Lily Franke schaute mitleidig.
"Hast du darum nichts geschrieben?"
Jelena zuckte mit den Schultern, während Lily jetzt aufstand.
"Tut mir Leid.", sagte sie, "Ich habe noch zu tun und du musst auch bestimmt weiter."
Jelena nickte und sie gingen zum Ausgang, wobei der Blick der Lehrerin auf einem von Sophies Groupies liegengebliebenem Zettel hängenblieb.
"Wie finde ich Mister Right.", las sie leise die Überschrift ab und schüttelte beinahe angewidert den Kopf, "Die Pubertät hat diese Klasse wirklich voll im Griff."
Sie lächelte verschwörerisch, als ob sie Jelena für die einzig reife und Vernünftige hielt, so dass die 15jährige trotz der traurigen Erinnerungen leicht grinsen musste, als an der Tür plötzlich Oliver stand und erneut die Kamera auf sie richtete.
"Nicht.", entfuhr es Jelena und sie griff sich zu ihrem nach dem Schwimmen unordentlich getrockneten Haar.
"Hast du gar keine Anstand?", fragte Lily tadelnd und griff in ihre Tasche und holte einen kleinen Kamm hervor, "Hier."
Sie nickte Jelena zu, die sich rasch etwas herrichtete, worauf Oliver seine Bilder machte. Er schien noch reden zu wollen, doch Lily, die merkte, dass Jelenas Erinnerung an ihre alte Schule, sie bekümmert hatte, nahm ihn unter einem Vorwand mit, ihr bei irgendetwas zu helfen.
Mit einem feinen Lächeln schaute sie den beiden hinterher, als die Lehrerin sich noch einmal umdrehte und ihr mit Veschwörermiene zuzwinkerte, bevor sie mit Oliver um eine Ecke des Ganges verschwand.
Jelena drehte sich immer noch lächelnd um, als vor ihr plötzlich Katharina Wien stand. Sie dachte an ihre Begegnung in der Turnhalle und schluckte verlegen und wurde rot.
"Was ist los Jelli?", sagte Katharina lachend, als ob Jelena sie nicht beim Masturbieren in aller Öffentlichkeit gesehen hatte, "Du musst schon aufpassen, wo du hingehst."
Das knallrote Gesicht und der verwirrte peinliche Ausdruck darin war unbezahlbar und Katharina genoss jede Sekunde, bis Jelena schließlich irgendetwas murmelte und machte, dass sie wegkam.
Sie war süß, dachte Katharina und so ein leichtes Opfer für kleine Spöttelein. Außerdem schien sie etwas für Oliver zu empfinden und sie blickte in die Richtung, wo der Junge verschwunden war.
Er war ebenfalls niedlich und auch interessanter als die ganzen dummen Sportlertypen, die Asilida aus irgendeinem Grund an der Schule erlaubte. Für sie schienen die hohen Anforderungen an den IQ, die bei den Mädchen angelegt wurden, nicht zu gelten.
Sie zuckte mit den Schultern. Oliver war ein lohnendes Projekt und sie würde sich ihn heranziehen. Es würde leider noch etwas dauern, dachte sie missmutig. Sie brauchte es schon wieder und es war schon mehrere Stunden her seit der Einführungsveranstaltung. Sie hatte keine Lust, sich zu beherrschen.
Sie atmete frustriert durch und ging los. Aus dem Gebäude und über den Campus zu dem Verwaltungsgebäude. Überall begegneten ihr Leute und sie erwiderte leicht genervt die dutzenden Grüße, bis sie endlich vor dem Büro des Direktors stand.
Endlich. Das Kribbeln war schon wieder kaum zu unterdrücken und das Büro der einzige Ort ohne Videokameras, dachte sie und trat ein. Sie leckte sich leicht über die Lippen und schob dann ungeniert ihre Hand unter den Saum ihres Rocks, hinab in ihren feuchten warmen Schritt, während Brandt sie nur anstarrte.
Doch dann stand er auf und kam zu ihr herüber.
"Nicht in der Öffentlichkeit, sagte ich!", zischte er und schlug zu.
Mitten ins Gesicht. Nur mit dem flachen Handrücken, doch es brannte wie Feuer, dass Katharina aufschrie, obwohl gleichzeitig das elektrisches Kribbeln in ihrem Schritt zunahm.
"Runter mit dir!", herrschte er sie an und Katharina sank auf die Knie.
Wie sie erwartet hatte, machte der bigotte Heuchler keine Anstalten, sie zu stoppen, als sie hastig seinen Reißverschluss öffnete und seinen erigierenden Schwanz herausholte und in ihren Mund schob.
Sie hatte eine gute Technik. Wechselte zwischen dem Lecken der Eichel und kräftigen schmatzenden Saugbewegungen. Immer tiefer schob sie, ächzend und den Würgereiz unterdrückend, sein hartes pulsierendes Glied hinein, bis sie seine Schamhaare und Bauchhaut auf ihrer Oberlippe spürte und es nicht mehr tiefer ging. Sie begann, ihn jetzt durch rhythmische Bewegungen, ihre Kehle ficken zu lassen, während sie mit ihren Zähnen leicht die Schwellkörper massierte.
Er griff an ihren Kopf und hielt sie jetzt fest. Sie konnte nicht wegziehen und spürte, wie sie Atemnot bekam. Aber es dauerte nicht lange und er schoß seinen klebrigen Samen tief in ihren Rachen. Gierig schluckte sie seinen Saft, während er stöhnend seinen Schwanz etwas herauszog, mit seiner Eichel jedoch in ihrem jetzt mit Ejakualt überquellenden Mund verblieb. Sie griff mit ihrer Hand den kräftigen Schaft und begann ihn zu wichsen. Sie wollte mehr und nach wenigen Minuten kam er ein zweites Mal, zog jedoch heraus, bevor sie seinen Samen komplett weglecken konnte. Schwer atmend schaute sie auf die letzten Samenreste an seiner Schwanzspitze.
"Das wird nicht noch mal passieren.", sagte er jedoch nur kalt und machte den Reißverschluss zu, "Wenn jemand dich gesehen hätte, könnte das schlimme Konsequenzen haben!"
"Sagt der Typ, der die unbekannte Neue beauftragt hat, einen Artikel über die Übergangsphase der Schule zu schreiben."
"Was?"
"Jelena.", sagte Katharina und wischte sich einen Faden Sperma von ihrer Unterlippe und leckte ihn von ihrem Finger, "Sie kam gerade mit der neuen Lehrerin aus dem Journalismuskurs. Wer ist die eigentlich?"
Brandt zuckte mit den Schultern.
"Sie war früher Lehrerin hier und wir brauchten kurzfristig Ersatz für Frau Petersen. Leider nicht zu ändern."
"Aha.", sagte Katharina nachdenklich, "Dann machst du dir keine Sorgen wegen dieser kleine Schauspielerfotze?"
Er lachte auf.
"Nein.", sagte er, "Wir haben uns ihre Akte angesehen und diese Geschichte mit dem Typen, der sie gestalkt hatte. Sie ist eine graue Maus und keine Gefahr."
"Ich weiß nicht ..."
"Aber ich weiß!", zischte Brandt, "Du wirst sie bald auf deinen kleinen Parties haben, aber jetzt verschwinde. Und vergiss nicht, reiß dich zusammen. Ich meine es ernst oder es wird dir Leid tun!"




Jelena hielt Alexandras Rucksack und blickte scheu um sich, während ihre Zimmergenossin sich in dem leeren Flur ungeniert ihren BH abstreifte.
"Ihr verfickter Dresscode macht mich irre.", ächzte sie und zog zu Jelenas Verblüffung einen schwarzen Asilida-BH hervor, "Ihr Raumfahrtzeitalter, hyperwissenschaftlicher Space-BH sitzt mir etwas zu perfekt. Ständig verfängt er sich an meinen Nippelring."
Sie steckte den BH achtlos in ihre Hosentasche, dass er heraushing.
"Ich dachte nur weiße sind erlaubt.", sagte Jelena.
"Ich hab ihn selbst gefärbt.", sagte Alexandra und lachte, "Mit etwas Hilfe aus meinem Chemiebuch. Aber hast du die elektronische Infotafeln gesehen? Unautorisierte Veränderungen der Schulkleidung sind nicht gestattet. Unautorisiert! Ich frag mich wer es ihnen gesteckt hat, aber sie reagieren wirklich schnell, die kleinen Wichser."
Sie schüttelte den Kopf und Jelena zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht war es Zufall."
"Nein. Meine Biolehrerin, das Monster, kam direkt nach dem Unterricht zu mir. Mit dem Ding brauche ich gar nicht mehr anzukommen.", sagte sie und zeigte zu dem BH, "Hey Jelli, was hast du 75B?"
Jelena stutzte.
"70 ...", begann sie, doch Alexandra redete bereits weiter.
"Er gehört dir, wenn du ihn willst. Aber ich schwöre, ein paar von den Typen waren kurz davor, eine Herzattacke zu bekommen, als sie das Teil durch meine weiße Bluse durchscheinen sahen. Naja, die Schulverwaltung anzupissen, war es wert."
Insgeheim dachte Jelena, dass die BHs sehr gut saßen. Besser als alles, was sie je gehabt hatte. Sie waren ohne Nähte und federleicht, gaben guten Halt, wenn man hüpfte.
"Wieviel willst du dafür?"
Sie glaubte, dass Alexandra in Wahrheit nur Geld brauchte, doch die ältere schüttelte nur den Kopf.
"Herzlichen Dank, aber betrachte es als Carepackt für ein Modeopfer.", sagte sie grinsend, "Aber jetzt sag mir, was du gemacht hast, während ich gegen das System gekämpft hab."
Jelena schaute kurz zur Seite.
"Das glaubst du nicht.", sagte sie, "Kennst du Katharina Wien?"
"Das Überpartygirl. Wer kennt sie nicht? Sie hat ihr niedliches Näschen tief im Arsch ihrer Mutter und des gesamten Lehrkörpers, genauso wie die Hälfte der Mädels hier ihr hinten reinkriechen. Was ist mit ihr?"
"Naja, sie ... sie hat, also sie hat sich's gemacht. Mitten in der Versammlung."
"Scheiße was? Echt?"
Jelena nickte.
"Echt."
"Krass. Dem Schulhof zufolge hat sie mit der Hälfte aller Jungs hier getrieben und auch ein paar Mädchen, soviel Jungs gibts ja nicht, aber das ist ... wow. Ich meine, die Gedankenpolizei scheißt sich ein, weil ich einen schwarzen BH trage und sie ... eigentlich müssten sie sie exekutieren."
"Das ist es ja gerade. Ich hab sie später beim Direktor gesehen und alles, was ihn störte, war dass sie sich erwischen hat lassen. Von mir. Der hat alles mitgekriegt!"
Alexandra grinste.
"Du verarscht mich doch, oder?"
"Nein Alex!", sagte Jelena, "Echt!"
"Und du warst dabei?"
"Nein, aber ich's gehört. Irgendwas stimmt nicht mit den beiden."
"Dann musst du was überhört haben. Ich meine, was soll das, Brandt benimmt sich permanent, als wenn er einen Stock im Arsch hätte. Er würde das niemals durchgehen lassen. Ganz Kleventhal würde ihn aufhängen, wenn er da wegsieht. Nein, nein, du hast da was nicht richtig mitgekriegt. Aber was war denn sonst? Jemand nettes kennengelernt?"
Jelena ärgerte sich, dass Alexandra sie nicht ernst nahm, zuckte dann jedoch mit den Schultern.
"Vielleicht ..."
Alexandra grinste.
"Wer?"
"Jemand aus dem Journalismuskurs, er heißt Oliver ...", begann sie und erzählte von der Begebenheit im Unterrichtsraum und ihrer Aufgabe, die sie für den Newsletter erhalten hatte.
Alexandra blieb kritisch.
"Dieser Newsletterkram ist doch idiotisch.", sagte sie, "Aber wenn du unbedingt willst. Aber wie auch immer, du musst mehr machen und nicht so passiv bleiben, wenn du mit ihm gehen willst."
"Was?", entfuhr es Jelena, "Ich mag ihn einfach nur. Wir sind nur in der gleichen Klasse."
"Wie du willst. Es ist dein Leben, aber vergiss nicht, es gibt hunderte Kanäle im Fernsehen, warum sollte er dich ansehen?"
Jelena verzog den Mund und blickte zur Seite.




Einen Monat später ...

5. Leichen im Keller

Die drei Männer in weißen Overalls, die am Rande der Böschung des kleinen Kanals hockten, blickten ernst auf einen Punkt vor ihnen. Keiner redete und sie schienen völlig konzentriert, so dass die etwa dreißig Jahre alte Blonde in einer schwarzen Lederjacke, die sich ihnen genähert hatte, sich räuspern musste.
Die drei Männer drehten sich um und ein grauhaariger mit Halbglatze entfernte einen Mundschutz aus seinem Gesicht.
"Morgen Anke. Hast du uns unseren Kaffee mitgebracht?", fragte er knapp und lächelte dann, bevor er sich kurz zu den anderen beiden hinwendete, "Kriminaloberkommissarin Anke Pothmann. Von der K."
Die anderen beiden grüßten kurz und traten dann etwas zur Seite, so dass man sah, was sie angestarrt hatten. Es war ein menschliches Bein.
Anke starrte auf die Gliedmaße. Es waren nicht die ersten Leichenteile, die sie sah, aber ein einzelnes nacktes sonst völlig makelloses offenbar weibliches Bein war nichts alltägliches.
Besonders in so einem Zustand.
"Was könnt ihr mir sagen?", sagte sie kalt.
"Warten wir nicht auf Stefan?"
"Der ist oben am Hang.", sagte Anke, "Fangt schon mal an."
"Naja, viel ist es nicht. Kaum mehr, als du siehst. Weiß weiblich, etwa dreißig bis vierzig. Sportlich, trainierte Waden, viel gerannt offenbar."
Einer der anderen beiden grinste.
"Nicht schnell genug, offenbar."
Anke starrte ihn an.
"Warum halten sie nicht einfach die Fresse?"
"Was?!", entfuhr es dem Mann.
Der ältere schaute tadelnd zu Anke, deren Augen vor Wut und einer seltsamer Verbitterung funkelten.
"Lasst das.", sagte er, "Wir haben zu tun. Die Frau war jedenfalls gut in Form, auch körperlich gepflegt, also nicht jemand vom Strich. Und sie war vermutlich blond, wir haben ein paar lange Haare gefunden. Wahrscheinlich ihre."
"Hm.", machte Anke, "Drogen?"
"Keine Spuren von Einstichen. Was wir hier sehen natürlich nur."
Sie nickte.
"Anzeichen für Fremdeinwirkung?"
Er lachte gequält.
"Ein abgerissenes Bein.", sagte er, "glaube nicht, dass sie das selbst getan hat."
"Hm. Wie lange ist es her?"
"Schwer zu sagen. Das Bein lag mindestens eine Woche im Wasser und ist von Maden völlig zerfressen. Ungewöhnlich ist, dass ..."
Man hörte einen Mann oben vom Hang herabrufen und Anke drehte sich um.
"Was gibt's denn?", rief sie.
"Der Chef will dich sprechen. Schnell."
Anke nickte und blickte den Kanal entlang, der etwa einhundert Meter weiter in einen dick mit Wald umgebenen See mündete. Einige weiße alte und moderne Häuser schauten aus dem Wald heraus und man sah die kleine Schneiße eines kilometerlangen Zaunes, der um das Gelände herumzuführen schien.
"Was ist da?", fragte sie, "Militär?"
"Das sind die Gebäude des Friedrich Ludwig Jahn Gymnasiums."
"Ach.", entfuhr es Anke, "Diese Asilida-Elitenscheiße, was in der Zeitung stand?"
Der ältere lachte und nickte.
"Ja.", sagte er dann, "Die haben da ein riesiges Gelände. Meinst du sie kommt von da?"
Er blickte zu dem Bein und Anke zuckte mit den Schultern.
"Gibt ja hier sonst nichts.", sagte sie, "Wie weit ist es bis Kleventhal?"
"Halbe Stunde mit dem Auto."
"Na schön, dann werde ich mir das mal ansehen."
"Denkst du, die hätten nicht gemeldet, wenn ihnen jemand abhanden gekommen wäre?"
"Vielleicht, aber wo soviel Geld drinsteckt, bin ich immer mißtrauisch."
"Dann mach das, aber vorsicht, die Schule ist Gabriele Wiens Lieblingsprojekt. Du hast den ganzen Stadtrat und die Presse am Hals, wenn sie denkt, dass du den Ruf der Einrichtung beschädigst. Das hier ist Amigo-Land."
Anke lachte.
"Ich pass schon auf.", sagte sie und begann nach einem letzten wütenden Blick zu dem Mann, der vorhin die abfällige Bemerkung gemacht hatte, wieder nach oben zu klettern.
"Wow.", sagte der Mann und schaute grinsend auf Ankes Hintern, dessen Muskeln sich jetzt deutlich unter der blauen engen Jeanshose abzeichneten, "Ist sie Single? Aber was war denn mit ihr los?"
Der ältere verzog nur den Mund.
"Eine schlimme Geschichte. Ihre Nichte ist vor ein paar Jahren entführt worden. War gerade 14 die Kleine, nie wieder aufgetaucht und vermutlich tot.", sagte er und blickte zu dem nackten Frauenbein, "Anke's Schwester hat's nicht ausgehalten. Selbstmordversuch und alles. Sitzt jetzt als Totalausfall in der Psychiatrie, irgendein Spezialsanatorium bei Berlin. Prognose ungünstig. Da reagiert sie immer allergisch bei solchen Fällen."
"Autsch.", sagte der andere Mann, "Was für eine Verschwendung. Aber warum hast du ihr das mit dem Bein nicht gesagt."
Der ältere zuckte mit den Schultern.
"Tut mir Leid.", sagte er mit leicht verstörtem Blick, "Aber dafür, dass die Wunde Anzeichen von Wundheilung aufweist, will ich erst eine Bestätigung."



Alexandra schaute kaum auf, während sie ihr Menü in sich hineinschob.
"Ich versteh nicht, warum du ihn nicht einfach fragst.", sagte sie halb kauernd und warf eine Seitenblick durch die riesige, aber jetzt nur spärlich gefüllte Kantine, "Es war seine Idee."
Sie meinte Direktor Brandt und Jelena, die ihr gegenüber saß nickte.
"Er sagt, dass er keine Zeit hat. Ich meine, er gibt mir 5 oder 10 Minuten, aber dann geschieht immer irgendetwas und er muss weg."
Jelena konnte ihn einfach nicht leiden. Er lobte sie und die Artikel, die sie schrieb jedesmal, aber im großen und ganzen fühlte sie, dass sie mit dem Auftrag über die Übergangsphase der Schule zu schreiben, nicht weiter kam. Sie wusste immer noch nicht, warum Asilida entschieden hatte, diese Schule, überhaupt eine Schule, aufzumachen und was Brandts Rolle dabei war und insgeheim schien er von ihr auch genervt zu sein.
"Kein Wunder.", sagte Alex und schaufelte einen weiteren Bissen in ihren Mund, "Diese elitistischen Schweine haben so viel Kohle und wollen nicht sagen, woher. Schau, wie sie uns herausstaffieren. Wir sehen aus wie Karrierebarbies."
Sie zog abfällig am Saum ihres Jacketts, doch Jelena zuckte nur mit den Schultern. Sie war nach einem Monat daran gewöhnt, genau so wie an die gläserne Trennwand zum Bad und WC in ihrem Zimmer.
Sie fand es nicht gut, akzeptierte es jetzt aber als normal und schaute zu Alexandra. Auch ihre Freundin störte es nicht und das einzige ernste Problem im Moment schien ihr BH zu sein, den sie jedesmal wenn es ging unter ihrer Bluse hervorzog, weil er sich stets an ihrem Nippelring verfing.
"Es gibt schlimmeres.", sagte Jelena und schaute auf ihre Uhr, "Ein Treffen mit Katharina Wien zum Beispiel. Tut mir Leid, aber ich muss los."
Sie stand auf und nickte Alexandra zu, die jetzt lachte.
"Mach dich nicht fertig wegen ihr."
Jelena verzog den Mund.
"Sie ist wie von einem anderen Stern.", sagte sie, "Ich fühl mich immer wie der letzte Außenseiter neben ihr."
Außerdem schien sie jedesmal Oliver anzuflirten und der Umstand ärgerte sie mehr, als sie zugeben wollte. Sie war froh, wenn sie Katharina und ihrer Groupieclique aus dem Weg gehen konnte, doch jetzt hatte sie leider eine Verabredung mit den beiden.







6. neu

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Fortsetzung erwünscht?
Was soll passieren?
Schreibt mir.


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Dezember 2015 von alphatier einige fehler beseitigt und neue formatierung für besseres lesen eingeführt

Da ich kommentare immer nur manuell update, ist ein kontakt hier vielleicht schneller (chat/pad):

Oktober 2015 von alphatier Auch hier geht es jetzt mal wieder weiter, obwohl ScienceFiction ja nicht so anzukommen scheint. hat denn eigentlich jemand das Original gelesen?

alphatier

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